Tischtennis National
Boll: "Kann auch einmal ein Spiel verlieren"

Am kommenden Montag beginnt in Deutschland die Mannschafts-Weltmeisterschaft im Tischtennis. Die deutschen Hoffnungen ruhen auf Timo Boll. Doch der Ausnahmespieler warnt: "Ich kann auch mal ein Spiel verlieren."

Die Mannschafts-Weltmeisterschaft der Tischtennis-Elite steht vor der Tür. Ab kommenden Montag kämpft Deutschland in Bremen um die Krone. Die Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf Superstar Timo Boll, der den Chinesen das Leben schwer machen soll. Aber der Weltranglistenzweite warnt in einem aktuellen Gespräch vor zu hohen Erwartungen an seine Person.

Frage: "Timo Boll, bei der Mannschafts-WM ab Montag in Bremen sind die Hoffnungen auf einen neuen Erfolg für das deutsche Tischtennis zwei Jahre nach der Silbermedaille für das Herren-Team hauptsächlich mit Ihnen verbunden. Wie gehen Sie mit dieser Erwartungshaltung um?"

Timo Boll: "Ich bin zwar zum ersten Mal in Deutschland bei einer WM dabei, aber den Druck kenne ich schon von früheren Großveranstaltungen in Deutschland. Deswegen weiß ich, wie ich damit umgehen muss. Eine Zwei-Punkte-Garantie bin ich trotzdem nicht. Ich kann auch einmal ein Spiel verlieren. Aber ich weiß auch, dass unsere Mannschaft stark genug ist, um gegen die meisten Mannschaften gewinnen zu können, wenn ich einmal ein Spiel verliere."

Frage: "Ist die Gastgeber-Rolle für das deutsche Team ein Vorteil oder belastend?"

Boll: "Das wird man erst in Bremen sehen. Der Schuss kann zwar auch nach hinten losgehen, wenn man zu sehr verkrampft, aber momentan gehe ich davon aus, dass wir den Heimvorteil in eine positive Euphorie umwandeln und heißlaufen können. Außerdem habe ich es bisher in Deutschland auch immer so erlebt, dass die Zuschauer-Unterstützung da war, wenn man sie gebraucht hat. Klar ist aber auch: Nach Chinas Weltmeister-Team haben wir durch den Heimvorteil auch den meisten Druck."

Frage: "Ihre Verbandsführung erhofft sich von guten WM-Ergebnissen der deutschen Teams auch einen Schub für das Tischtennis in Deutschland. Spürt man als Spieler eine solche Verantwortung?"

Boll: "Wir hoffen ja auch alle auf positive Entwicklungen für unseren Sport durch die WM, auch wenn man im Spiel nicht daran denkt. Aber ich meine, dass schon jetzt eine große Begeisterung herrscht, wenn von 62 000 Karten schon 47 000 verkauft worden sind. Das ist ja fast schon ein kleiner Boom."

Frage: "Mit welcher Strategie gehen Ihre Mannschaft und Sie in die WM?"

Boll: "Das große Ziel ist sicherlich eine Medaille, aber der Weg dahin wird lang. Nach Möglichkeit wollen wir zuerst unsere Vorrunden-Gruppe als Sieger beenden, damit wir direkt für das Viertelfinale qualifiziert sind und dadurch voraussichtlich frühestens im Halbfinale, wenn wir schon eine Medaille sicher hätten, auf China treffen könnten. Aber in unserer schweren Gruppe ist der Gruppensieg für uns kein Selbstläufer. Wir sollten dennoch zumindest unter die ersten Drei kommen, um weiter eine Medaillenchance zu haben - das ist eine Pflichtaufgabe."

Frage: "Für den Fall einer WM-Revanche für 2004 gegen China: Welche Chancen sehen Sie gegen den übermächtig erscheinenden Weltmeister?"

Boll: "Wir haben zumindest unsere Chancen. Gegen die Chinesen, aber auch gegen die Südkoreaner müssen wir außer auf absolute Topform bei uns auch darauf hoffen, dass sie nervös sind und ihr Spitzenniveau nicht erreichen. Auf jeden Fall brauchen wir für einen Erfolg gegen diese Mannschaften mit gleich mehreren Spielern aus den Top Ten auch die Hilfe der Gegner."

Frage: "Sie gelten seit Ihrem Weltcup-Triumph im Vorjahr als China-Schreck. Haben Sie auch das Gefühl, dass die Chinesen Angst vor Ihnen haben?"

Boll: "Sie haben sicher Respekt, vielleicht auch viel Respekt, weil sie wissen, dass ich sie alle schlagen kann. Aber Angst? Nein, das glaube ich nicht."

Frage: "Herren-Bundestrainer Richard Prause hat Ihnen für die vergangenen Monate einen enormen Reifeprozess bescheinigt. Sehen Sie Ihre Entwicklung auch so?"

Boll: "Ich denke schon, dass ich mich weiterentwickelt habe. Ich habe mich inzwischen darauf eingestellt, was alles auf mich zukommen kann und wie ich das einzuschätzen habe. Ich weiß, was gut für mich ist und was nicht."

© SID

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