Tischtennis National
"Mr. Pokerface" feiert 65. Geburtstag

Eines der ganz großen Tischtennis-Idole hat heute allen Grund zum Feiern. Eberhard Schöler, Vizeweltmeister von 1969 und mittlerweile Vizepräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes, wird 65 Jahre alt.

"Mr. Pokerface" lässt sich immer noch nicht gerne zu früh in die Karten schauen. "Vor Entscheidungen ist es ratsam, alle Konsequenzen zu berücksichtigen. Wenn nicht alles klar ist, können einige Minuten, ein paar Stunden oder auch ein Tag Bedenkzeit nicht schaden", sagt das deutsche Tischtennis-Idol Eberhard Schöler. Auch diese Devise machte den Wahl-Düsseldorfer in den 60er Jahren zum weltbesten Abwehrer und später zu einem der verlässlichsten Spitzenfunktionäre seines Sports auf deutscher wie internationaler Ebene. Am Donnerstag (22. Dezember) feiert der zweifache Vize-Weltmeister von München 1969 im kleinen Familienkreis seinen 65. Geburtstag.

Der heutige Vizepräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (Dttb) und stellvertretende Präsident des Europa-Verbandes Ettu, mit neun Einzel-Titeln deutscher Rekordmeister sowie mit Tusa Düsseldorf und später Borussia Düsseldorf ebenfalls mehrfacher DM-Champion, hält sein Spielsystem für keinen Zufall. "Das entsprach vielleicht meiner Mentalität: abwarten und im vermeintlich richtigen Augenblick die Initiative ergreifen - das ist sicher auch Teil meines Charakters", sagte er dem sid.

"Schöler-Peitsche" lehrte die Konkurrenz das Fürchten

Was der vorbildliche Sportsmann Initiative nennt, war von der zweiten Hälfte der 50er bis Mitte der 70er Jahre gefürchtet: Seine knallharten Konterschläge kannte die Tischtennis-Welt nur als die "Schöler-Peitsche". Zudem trieb der aus Flatow/Pommern stammende Träger des Silbernen Lorbeerblattes seine Gegner mit enormer Konzentrationsfähigkeit und stoischer Ruhe, die ihm den Beinamen "Mr. Pokerface" einbrachten, schier zur Verzweiflung.

Sein wichtigstes Match allerdings ging verloren: Im WM-Finale 1969 in München verspielte der WM-Dritte von 1965 und 1967 gegen den Japaner Shigeo Itoh eine 2:0-Führung und musste sich nach der 2:3-Niederlage wie schon zuvor im Mannschafts-Turnier mit Silber begnügen. "Ich trauere dem Titel nicht hinterher, das liegt mir nicht", sagt Schöler heute: "Ich war ja schon in der Mannschaft stark beansprucht und am WM-Ende schlichtweg kaputt."

Der aktiven Laufbahn folgte Funktionärs-Karriere

zwölf Jahre später und nicht mal 24 Monate nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport wechselte der erste Aktivensprecher des Dttb ("Ich habe früher ganz schön gemeckert") ins Funktionärs-Lager. Der frühere Rekordnationalspieler (155 Länderspiele), der Anfang 2005 als Gesellschafter eines Düsseldorfer Glasgroßhandels ausschied und seither im Ruhestand lebt, übernahm 1981 nach der Wahl seines Freundes Hans Wilhelm Gäb zum Dttb-Präsidenten im Verband den Posten des Sportwartes (seit 1993 Vizepräsident Leistungssport).

"Wir haben in der Leistungssportförderung Zufälligkeiten durch zielgerichtete Planung ersetzt und auch international Maßstäbe für die öffentlichkeitswirksame Präsentation von Spitzenveranstaltungen gesetzt", bilanziert Schöler. Zahlreiche Erfolge in seiner 24-jährigen Amtszeit unter insgesamt vier Präsidenten durch Leitfiguren wie Jörg Roßkopf, Nicole Struse und Timo Boll verschweigt der Jubilar dabei.

WM in Bremen hat entscheidende Bedeutung

Die Verantwortung lässt Schöler, der 1966 Englands Spitzenspielerin Diane Rowe heiratete und mit der Mutter seiner beiden Kinder 1971 auch WM-Bronze im Mixed gewann, das Pensionärs-Dasein mit Blick auf die Mannschafts-WM 2006 in Bremen (24. April bis 1. Mai) noch nicht richtig genießen. "Die Beanspruchung durch die vielen Aufgaben im Tischtennis und Privates hat seit Beginn 2005 zugenommen. Das soll nach Bremen aber anders strukturiert werden." Bis dahin allerdings bleibt Tischtennis angesagt: "Der Erfolg der WM ist von übergeordneter Bedeutung für das deutsche Tischtennis."

© SID

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