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Tobias Unger läuft deutschen Rekord über 200m

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften hat Tobias Unger über 200m brilliert. Der Schwabe sprintete in 20,20 Sekunden ins Ziel und verbesserte so den 20 Jahre alten deutschen Rekord um 0,03 Sekunden.

Tobias Unger hat mit einem neuen deutschen Rekord über 200m die Fans bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Verzückung versetzt. Nach 20,20 Sekunden stürmte der Olympia-Siebte in Wattenscheid auf Rang acht in der Welt. "Ich bin erleichtert, dass es geklappt hat, denn der Rekorddruck war sehr groß. Aber das ist ja jetzt vom Tisch. Hintenraus war ich etwas verkrampft, und jetzt bin ich einfach nur froh", so der 25 Jahre alte Hallen-Europameister, der am Vortag in 10,16 Sekunden beim 100m-Sieg bereits die Weltelite aufhorchen ließ.

Bis zu 60 deutsche Athleten nach Helsinki

Fünf Wochen vor dem WM-Auftakt in Helsinki (6. bis 14. August), bei denen der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit 55 bis 60 Athleten vertreten sein will, überstrahlte Unger vor insgesamt 30 000 Zuschauern im Lohrheide-Stadion viele Schwächen der Titelkämpfe, als er den 20 Jahre alten Rekord des Magdeburger Ex-Europameisters Frank Emmelmann (20,23) um 0,03 Sekunden verbesserte. Der Kornwestheimer widerlegte dabei auch die Prognose von Trainer Micky Corucle, der Tage zuvor einen Rekord wegen der nicht sehr schnellen Bahn und Windverhältnisse in Wattenscheid nahezu ausgeschlossen hatte und meinte im Hinblick auf die WM: "Lieber 20,40 laufen im Finale, als zuvor in 20,20 rausfliegen."

"Leider haben wir neben Unger keinen weiteren Läufer von Format", bedauerte DLV-Präsident Clemens Prokop und machte "erschreckende Schwächen" im Leistungsbild aus. Beim zweitägigen Wettstreit um 40 Titel gab es tatsächlich wenig Glanz, im 5000m-Bahngehen einen deutschen Rekord durch die Potsdamerin Sabine Zimmer (20:11:45 Minuten), viel Mittelmaß, eine Reihe von Enttäuschungen und zu große Längen im Programm.

Der DLV registrierte nur je eine weitere komplett erfüllte Norm durch 800m-Ass Rene Herms (Pirna) beim Alleingang in 1:45,39 Minuten und eine erste Norm-Efüllung durch Stabhochspringer Danny Ecker (Leverkusen). Der Verband verfügt nun über 30 Athleten mit komplett erfüllter Norm und will laut Jürgen Mallow, Leitender Bundestrainer, zehn weitere Athleten nominieren. Das WM-Team kann nach der Bekanntgabe am Montag noch bis zum 29. Juli noch korrigiert werden kann. Es enthält wohl alle vier Statteln, aber mindestens acht Disziplinen bleiben unbesetzt.

Dietzsch zum achten Mal deutsche Meisterin

Für Helsinki schürte Wattenscheid keine neue Hoffnungen. Vier Werferinnen sind aufgrund ihrer Weltranglisten-Positionen die größten Medaillenhoffnungen: Die Olympia-Zweite Steffi Nerius (Leverkusen), deren Speer nach Rückenproblemen nur bei 64,54m landete, Ex-Diskusweltmeisterin Franka Dietzsch (Neubrandenburg/mit 64,19m zum achten Mal Meisterin) sowie und im Kugelstoßen die Olympia-Zweite Nadine Kleinert (Magdeburg/18,68) und die wegen einer Fingerverletzung fehlende Weltranglisten-Zweite Petra Lammert Stuttgart).

In die Nähe der Medaillen könnten die Männer in je zwei Wurf- und Sprungdisziplinen kommen - doch nur, wenn der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) nach seinem DM-Verzicht wieder gesund in den Diskusring zurückkehrt. Im Kugelstoßen überzeugte überzeugte der EM-Dritte Ralf Bartels (Neubrandenburg) nach drei 21m-Resultaten mit 20,67m. Ex-Weltmeister Charles Friedek (Leverkusen) bot gleich zum Dreisprung-Auftakt 16,89m. Und Stabhochsprungsieger Tim Lobinger (Köln/5,75m) meinte nach etlichen Fehlschlägen: "Diesmal habe ich eigentlich ein gutes Gefühl."

Trostpreis für Astrid Kumbernuss

Für die dreimalige Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) war der Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis nach erneut verfehlter WM-Norm am Ende der Karriere ein Trostpreis. Eine andere geehrte Athletin darf sich dagegen Hoffnungen auf das Ticket zur WM machen, obwohl sie nur die B-Norm des Weltverbandes Iaaf hat. Weitsprungsiegerin Bianca Kappler (Rehlingen/6,49) erhielt von Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), die Fairplay-Trophy des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Saarländerin hatte im vergangenen März bei der Hallen-EM in Madrid auf eine falsche Weitenmessung aufmerksam gemacht und erklärt, sie könne die ihr zugeschriebene Siegweite niemals gesprungen sein.

© SID

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