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Totschnig mit historischem Sieg

Bei Team Gerolsteiner kannte die Begeisterung nach dem ersten Etappensieg bei einer Tour de France keine Grenzen. Der Mann des Tages, Radprofi Georg Totschnig, widmete den historischen Sieg seiner Familie.

Nach dem ersten Etappensieg bei einer Tour de France gab es beim Team Gerolsteiner kein Halten mehr. Während der spontanen Party auf der "Route Nationale 20" ließen die Verantwortlichen um den gefeierten Sieger Georg Totschnig die Korken knallen. Unterdessen fiel es Gerolsteiner-Teamchef Hans Michael Holczer sichtlich schwer, passende Worte für diesen historischen Triumph zu finden. "Das war ein großer Sieg für Gerolsteiner. Dieser Tag wird noch lange in Erinnerung bleiben", meinte Holczer. Acht Jahre hatte der ehrgeizige Mathe- und Geschichtslehrer auf diesen Moment gewartet. Am 16. Juli um 16.31 Uhr ging der Traum endlich in Erfüllung: "Das war eine taktische Meisterleistung."

Totschnig: "Nach der ersten Woche hatte ich die Nase voll

Möglich machte den Coup ausgerechnet Totschnig, der bei der Tour bereits auf gepackten Koffern gesessen hatte. "Nach der ersten Woche hatte ich die Nase voll und wollte nach Hause", berichtete der 34 Jahre alte Österreicher. Eine schwere Grippe hatte Totschnig kurz vor der Tour zurückgeworfen, unfreiwillig musste der Tiroler die Kapitänsrolle an Teamkollege Levi Leipheimer (USA) weiterreichen.

So ließ Totschnig im 1 373 m hohen Skiort seinen Emotionen freien Lauf, auf dem Podium verdrückte er mehrere Tränen. "Diesen Sieg widme ich meiner Frau Michi und meinen beiden Kindern, ohne sie hätte ich das nicht geschafft", sagte Totschnig im Anschluss. In langen Telefonaten mit der Heimat hatte der Einzelgänger aus dem Zillertal in den Tagen zuvor moralisch wieder aufgebaut werden müssen.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen

"Nach den Alpen habe ich mich wieder erholt und mir gesagt: Komm, jetzt attackierst du mal", schilderte Totschnig. Gesagt, getan: Auf der Pyrenäen-Etappe von Agde nach Ax-3-Domaines startete er mit neun Fluchtgehilfen einen Ausreißversuch, bewies am letzten Berg die besten Kletterqualitäten und ließ sich auch von Lance Armstrong und Co. nicht mehr einholen. "Ein Etappensieg ist höher zu bewerten als ein zehnter Platz im Gesamtklassement. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", analysierte Totschnig zufrieden.

Der zweifache Familienvater trug sich gleich doppelt in die Tour-Geschichtsbücher ein. Totschnig holte nicht nur den ersten Etappensieg für seine Mannschaft, er beendete auch die 74-jährige Durststrecke der Österreicher bei der Frankreich-Rundfahrt. Am 19. Juli 1931 hatte ein gewisser Max Bulla zuletzt für einen Tagessieg der Alpenrepublik gesorgt.

Totschnig vor fünf Jahren beim Team Telekom ausgemustert

Bei der Tour 2004 belegte Totschnig den siebten Rang und unterstrich damit seine Rundfahrt-Qualitäten. Daran hatte vor fünf Jahren beim Team Telekom keiner mehr geglaubt. In der Startruppe um Jan Ullrich war kein Platz mehr für ihn. Beim Team Gerolsteiner, für das Totschnig seit 2001 fährt, enwickelte er sich indes zum "Glücksgriff".

Dafür genießt der fünfmalige österreichische Meister auch alle Freiheiten, in Ruhe und ohne Druck kann er sich auf die Tour de France vorbereiten. "Bei ihm weiß ich, dass er sich hundertprozentig in Form bringt", so Holczer, für den die diesjäherige Tour ein voller Erfolg ist. Vor einer Woche war Fabian Wegmann bei der Etappe nach Karlsruhe ins gepunktete Trikot gefahren, und in Levi Leipheimer liegt ein Gerolsteiner-Profi im Gesamtklassement weit vorne.

© SID

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