sonstige Sportarten
Tour auch abseits der Piste riesiges Spektakel

Die Tour de France gleicht auch abseits der Piste einem riesigen Spektakel. Allerdings bleiben die organisatorischen Abläufe den meisten Zuschauern und größtenteils sogar den Fahrern verborgen.

Während die Fahrer bei der Tour de France um die verschiedenen Trikots kämpfen und sich der Fernsehzuschauer genüsslich im Sessel zurücklehnt, findet auch abseits der Piste ein großes Spektakel statt. Allerdings was die Organisation und Logistik des größten Wanderzirkus der Welt angeht: 1,5 Tonnen Mineralwasser, 800 Bananen, 360 Liter Sojamilch, 15 Kilogramm Waschmittel um nur einige Dinge zu nennen. Die Auflistung gibt lediglich einen Bruchteil der Grundausstattung eines Radrennstalls bei der Tour de France wieder.

18-mal wechseln die Teams während der Frankreich-Rundfahrt ihr Hotel. Dabei muss der gesamte Tross täglich bis zu 300 km zurücklegen. "Die Planungen beginnen im Dezember und enden eigentlich erst, wenn der letzte Teamwagen wenige Tage vor dem Tourstart vom Hof gefahren ist. Dabei sind die letzten anderthalb Wochen die Hölle", berichtet Theo Maucher, seit vier Jahren beim Team Gerolsteiner für die Logistik zuständig. Die Kosten belaufen sich in den drei Wochen auf bis zu 120 000 Euro.

"Alle Beteiligten sind nervös und gestresst"

Die Tour ist für Maucher jedes Jahr wieder eine Herausforderung. "Das fängt schon mit der Hotelsuche an. Bei allen anderen Rundfahrten ist das kein Problem, aber bei der Tour blockt der Veranstalter ASO alle Hotels im entferntesten Einzugsgebiet ab", sagt Maucher. So war die Gerolsteiner-Mannschaft in den ersten Tagen im über 100 km entfernten Nantes einquartiert. Und im Tour-Tross ist der Stressfaktor ohnehin deutlich höher. "Jeder will alles so perfekt wie nur möglich machen. Ich stelle jedes Jahr fest, dass meine Mechaniker völlig fertig aus Frankreich wiederkommen. Alle Beteiligten sind nervös und gestresst", sagt Maucher.

Insgesamt 22 Personen (Sportliche Leiter, Ärzte, Betreuer, Mechaniker, Helfer, etc.) kümmern sich bei Gerolsteiner und T-Mobile darum, dass die jeweils neun Fahrer unter bestmöglichen Bedingungen Paris erreichen. Der Fuhrpark umfasst dabei rund 15 Fahrzeuge, vom Teambus bis zum Pressewagen. Endet für die Fahrer nach rund sieben Stunden der Arbeitstag, sind die Helfer im Hintergrund weitaus länger auf den Beinen. Wenn die Fahrer zu früher Stunde noch in den Betten liegen, herrscht vor den Teamhotels bereits reges Treiben. Teilweise müssen die Lkws bereits nachts in den nächsten Etappenort aufbrechen, vor allem, wenn die Tour kleine Bergdörfer in den Alpen oder Pyrenäen ansteuert.

Zeiten von Pionieren auf Abenteuerreise sind vorbei

Nichts ist mehr wie früher, als die Rennfahrer wie Pioniere auf einer Abenteuerreise über Frankreichs Landstraßen zogen. Wer heute im Vorfeld schludert, hat womöglich die Tour de France schon vor dem Start verloren. Bis ins letzte Detail ist alles geregelt, sogar die tägliche Verpflegung wird generalstabsmäßig geplant. Bei T-Mobile ist dafür Chefkoch Walter Krötzinger zuständig. Ausgewählte Nahrung erhält nicht nur Ullrich, Geschichten wie die Lebensmittelvergiftung von Hennes Junkermann ("Dä Fisch war schlecht") einst in den Pyrenäen sind heute undenkbar.

Wenn die Tour in diesen Tagen von Etappe zu Etappe zieht, ist praktisch eine ganze Kleinstadt auf den Beinen. 1 200 Journalisten, 1 000 Techniker, 70 Rundfunkstationen, 1 600 Fahrzeuge und etwa 4 000 Beschäftigte ziehen durch das Land. Allein die 20 km lange Werbekarawane umfasst 200 Fahrzeuge. Dabei werden elf Mill. Geschenke an die Zaungäste verteilt.

© SID

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