Tour-Bilanz
Rollendes Mahnmal in der Landschaft

Und nun, drei positive Tests: Warum nicht sagen, dies sei ein Fortschritt im Kampf gegen Doping?

Noch hat der Tour-Veranstalter A.S.O. seine Schwierigkeiten, dies so zu lesen. Auf der traditionellen Abschlusskonferenz schlugen die Franzosen noch einmal ordentlich auf die UCI ein. Ebenfalls moralisch verkommen sei diese, unglaubwürdig und nicht wert, dass man mit ihr zusammenarbeite, tobte A.S.O.-Chef Patrice Clerc. Nun will die A.S.O. eine „Revolution“ – und meint damit wohl eher eine Spaltung des Radsports. Mit der UCI in ihrer jetzigen Besetzung wolle sie jedenfalls nicht mehr zusammen arbeiten.

Aber sie wird müssen, um ihre allerheiligste Veranstaltung vor sensationslüsternen Kirmesbesuchern und deren Pendants im Privatfernsehen in Sicherheit zu bringen. Welche Warnung hätte nützlicher sein können als jene in Gestalt der plötzlich anrollenden Übertragungswagen des Schmuddelsenders Sat.1 nach dem Ausstieg von ARD und ZDF.

Pau, am Abend des positiven Tests auf Fremdblutdoping bei Alexander Winokurow, vor dem Hotel des Rennstalls Astana. Zwei Mitarbeiter eines deutschen Privatsenders stehen beieinander und diskutieren die Frage, ob Astana oder Alma-Ata die Hauptstadt Kasachstans sei. Dann erörtern sie, welche Frage denn zu stellen sei, wenn nun doch jemand vom Team aus dem Hotel trete. Die weitgehend dopingfreie Berichterstattung des Zeitfahrens von Cognac nach Angouleme wollten sich nur noch 670 000 Zuschauer antun. ARD und ZDF werden nun wohl ebenfalls erkennen, dass dem Sport besser geholfen ist, wenn man hinschaut anstatt weg. Oder wozu sonst hat die ARD eine Dopingredaktion aufgebaut?

Auch den Sponsoren hat diese Tour de France vor Augen geführt, dass es womöglich hilfreicher ist, ihr Engagement, das ihnen jahrelang beste TV-Auftritte gewährleistet hat, fortzusetzen, anstatt das Dopingfeld zu räumen. Denn andere Sponsoren werden sich immer finden, und nicht jeder wird Doping für ein wirklich bekämpfungswürdiges Problem halten. Andy Rihs, Präsident des Verwaltungsrates beim Gerätehersteller Phonak, sagte nach der vergangenen Tour: „Besser schlechte PR als gar keine.“

Somit auf dem besten Weg der Erkenntnis, werden die kommenden Monate zeigen, ob der Radsport es über die Ziellinie hinaus schafft. Eines aber hat er bereits erreicht: Mit dieser Tour de France hat er den Mythos von der Unschuld des Hochleistungssports erledigt. Die Tour, dieses französische Monument, steht nun als mahnendes Denkmal in der Landschaft. Auch dafür, was der Fall sein wird, wenn der Kampf gegen Doping wieder in sich zusammenfällt.

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