Tour-Bilanz
Rollendes Mahnmal in der Landschaft

Mit dieser Tour de France hat der Radsport den Mythos von der Unschuld des Hochleistungssports erledigt. Nie ist eine Frankreichrundfahrt skandalöser gewesen als diese 94. Ausgabe – und nie war die Chance größer, Doping tatsächlich wirksam bekämpfen zu können.

PARIS. Die Menge an der Avenue des Champs-Élysées ist erregt. Nur noch wenige Meter. Mit über 50 km/h springt das Peloton über das Kopfsteinpflaster. Es soll stehen bleiben, ein Teil jedenfalls, es soll ein Protest sein gegen das anhaltende Doping . So haben es die Fahrer der beiden deutschen Teams T-Mobile und Gerolsteiner sowie die der sechs französischen Teams angekündigt. Einen Meter vor dem Zielstrich soll abgesessen werden.

Vielleicht haben sie es vergessen. Vielleicht war aber auch das Tempo zu hoch. Wie bei jeder Flachetappe ließ sich das Peloton auch in Paris von den Sprintern an der Spitze ins Ziel saugen. Die Tour de France hat es gerade so bis ins Ziel geschafft.

Also doch kein Protest wie vor der 16. Etappe in Orthez, als Deutsche und Franzosen stehen blieben, die Fahrer jener Teams, die ein „mouvement“ gegen Doping gegründet haben. In Deutschland heißt die Vereinigung etwas missverständlich „Klub der Anständigen“. Anständig klingt nach CDU-Programm. Und mit Anstand hat das nur am Rand etwas zu tun.

Es geht darum, den Radsport vor einer drohenden Zukunft als Kirmesveranstaltung zu retten. Aber es wird mehr brauchen als hilflos wirkende Proteste, um die völlige Verwahrlosung abzuwenden. Drei positive Dopingtests hat diese Tour hervorgebracht, dazu der Mann im „maillot jaune“, der von seiner eigenen Equipe aus dem Rennen genommen wurde, und ein Sieger, der unter dem Verdacht steht, vom Madrider Blutmischer Eufemiano Fuentes in der Vergangenheit zur Ader gelassen und mit Dopingmitteln versorgt worden zu sein – all das hat der Tour 2007 den Titel „Tour de Farce“ eingetragen. Sie war skandalöser als alle ihre Vorgängerausgaben.

Und zu Ende gewesen lange vor dem geplanten kollektiven Absitzen in Paris. Mit dem Dopingfall Alexander Winokurow, mit dem des Italieners Christian Moreni und auch mit der Entlassung des zehn Tage in Gelb fahrenden Dänen Mickael Rasmussen. Und, wer weiß, vielleicht hat sie ja nie wirklich begonnen.

London, zwei Tage vor dem Prolog. Von einem rein sportlichen Rennen ist in Englands Hauptstadt keine Rede. Die Profiteams: gespalten ob der Frage „Was ist Doping?“. Die Fahrer: entzweit ob einer Ehrenerklärung, die zu unterschreiben der Tour-Veranstalter A.S.O. und der Weltverband UCI zur Bedingung für einen Start gemacht haben. Und die manch einer nur unter Protest unterschreibt.

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