Tour de France
Armstrong verspricht „Krieg“ am Mont Ventoux

Für Lance Armstrong ist die Sache klar: "Es wird am Mont Ventoux Krieg geben." Auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem ersten Tour-Erfolg 1999 wird der Texaner am mystischen Berg aber nicht um den Gesamtsieg kämpfen, sondern einzig um einen Platz auf dem Podest in Paris.

dpa AUBENAS. In für ihn ungewöhnlicher, aber angesichts seiner bisher gezeigten Leistungen notwendigen Bescheidenheit hat sich der 37-Jährige für die 20. Etappe am Samstag nur die Verteidigung des dritten Platzes zum Ziel gesetzt: Den zweiten Rang von Andy Schleck werde er "nicht angreifen".

Insgeheim dürfte der Radsport-Rückkehrer aber von einem Coup auf dem Mont Ventoux träumen, den er in seiner langen Karriere noch nie als Etappensieger erklommen hat. 2000 war Armstrong am nächsten dran, aber damals überließ der Tour-Dominator generös dem inzwischen gestorbenen Italiener Marco Pantani den Tageserfolg. Dies war das bislang vorletzte Mal (2002 gewann der Franzose Richard Virenque), dass die Tour de France den "Giganten der Provence", der vor allem durch den Tod des Briten Tom Simpson im Jahr 1967 traurige Berühmtheit erlangt hat, ins Programm nahm. "Armstrong hat ein Riesen-Comeback, aber der Sieg fehlt ihm noch", sagte Milram-Teamchef Gerry van Gerwen, der ein Spektakel erwartet: "Das kann noch einen Knall geben."

Tour-Matador Alberto Contador kann das verbale Getöse vor dem 21,1 Kilometer langen Anstieg, auf dem den Fahrern wieder der heiße Mistral ins Gesicht blasen wird, durch die Steinwüste gelassen ignorieren. Keiner seiner Rivalen, weder Armstrong noch die starken Schleck-Brüder aus Luxemburg, stellten für den Spanier bisher eine Bedrohung war. Dementsprechend entspannt gab sich der 26 Jahre alte Madrilene vor dem Show-Down in 1912 Höhe: "Am Mont Ventoux müssen andere attackieren. Ich werde versuchen, Armstrong zu helfen, seinen Podestplatz zu behalten. Sollte es auch Klöden schaffen, umso besser."

Dass am Sonntag ein Astana-Triumvirat an der Spitze auf die Pariser Champs Elysées rollt, scheint aber ausgeschlossen. Neben Spitzenreiter Contador dürfte auch der Luxemburger Andy Schleck nicht vom zweiten Rang zu verdrängen sein. Und so wird es auf dem kahlen Riesen wohl nur zum Kampf um Platz drei zwischen den Astana-Assen Armstrong und Klöden, dem Briten Bradley Wiggins und Frank Schleck kommen, die vor der 19. Etappe in der Gesamtwertung gerade einmal 34 Sekunden voneinander getrennt waren. "Das Ziel bleibt, dass mein Bruder Frank und ich in Paris zusammen auf dem Podium stehen wollen", tönte Andy Schleck.

Dem 24-Jährigen ist fast als einzigem Herausforderer zuzutrauen, dass er Contador bei der letzten Bergankunft der 96. Tour den dritten Etappensieg vermiesen kann. Eventuell kann sich aber auch noch einmal Vorjahressieger Carlos Sastre, vor dem 19. Teilstück von Bourgoin- Jallieu nach Aubenas enttäuschender 14., zu einer Kletter-Gala aufraffen. "Das ist vielleicht meine letzte Chance, bei dieser Tour etwas zu machen", meinte der Spanier.

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