Tour de France
Contadors unerklärlicher Triumph

Der 26-jährige Spanier vom Team Astana hat souverän zum zweiten Mal nach 2007 die Tour de France gewonnen - aber nicht den Kampf gegen die Zweifel an seiner Sauberkeit.

BERLIN. Als es geschafft war, oben in knapp 2000 Meter Höhe auf dem Mont Ventoux, da zeigte Alberto Contador tatsächlich so etwas wie Ausgelassenheit. Der Sieg bei der Tour de France war ihm nach dem Anstieg am Samstag nicht mehr zu nehmen, allein die Formalie der letzten Etappe stand noch bevor. Contador jubelte, reckte die Faust, riss die Arme in die Höhe - wie sich ein Sportler freut, wenn er etwas Großes erreicht hat. Wie sich der eher ruhige Contador sonst nie gefreut hat.

Am Sonntag auf den Champs-Élysées in Paris wiederholten sich die Bilder des jubelnden Contador. Im Alter von 26 Jahren hat der Spanier vom Team Astana zum zweiten Mal nach 2007 die Tour gewonnen, mit sattem Vorsprung auf den Luxemburger Andy Schleck und den bei seinem Comeback nach drei Jahren Pause drittplatzierten Lance Armstrong.

Das sind die Fakten, aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die handelt auch davon, dass Alberto Contador für die meisten Experten ein Mysterium ist. In den vergangenen drei Wochen hat der Radprofi Leistungen vollbracht, die keiner so recht erklären kann. Contador bezieht dazu nur ungern Stellung. Weil es außerdem um die Tour de France geht, steht der Spanier geradezu selbstverständlich im Verdacht, er habe bei seinem Triumphritt gedopt.

"Alberto, zeige uns, dass wir an dich glauben können", schreibt der dreimalige Toursieger Greg LeMond in seiner Kolumne für die Zeitung "Le Monde". Der Appell klingt verzweifelt. LeMond zitiert eine Analyse, wonach Contador bei der Fahrt in den Alpenort Verbier fast 1 900 Höhenmeter pro Stunde zurücklegte. Für diesen Rekord müsse er Blutwerte gehabt haben, die "meines Wissens nach niemals von irgendeinem Athleten in irgendeiner Sportart erreicht wurden", sagt LeMond. Selbst dem siebenmaligen Toursieger Armstrong gehen die Erklärungen aus. "Zu meinen besten Zeiten habe ich über 1 700 Höhenmeter geschafft. Alberto schafft mehr als 1 800."

Contador hat auf diese Anschuldigungen tagelang nicht geantwortet. Am Samstag, als der Sieg geschafft war, sagte er dann: "Ich habe keine Probleme damit, über Doping zu reden. Ich stehe 365 Tage im Jahr für Kontrollen zur Verfügung. Eine Tour ohne Dopingfall ist ein Sieg für den Radsport." Er sagte nicht: Ich bin sauber.

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