Tour de France
Giant-Alpecin fährt eigenen Ansprüchen hinterher

Der deutsche Sponsor des Giant-Alpecin-Teams hält trotz der durchwachsenen Tour-Zwischenbilanz noch still. „Kirche im Dorf lassen“, heißt es mit Verweis auf das Super-Frühjahr. Trotzdem ist Kapitän Degenkolb unzufrieden.
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PauMarcel Kittel nutzt seine Tour-freie Zeit. Zuerst outete er sich mit einem Besuch beim „Freischütz“ als Opern-Liebhaber, dann als Motorsport-Fan auf dem Sachsenring. Als Tony Martin mit einem Etappensieg in Cambrai ins Gelbe Trikot stürmte und Kittels Teamkollege John Degenkolb ein weiteres Mal auf Rang zwei seinem großen Traum vom ersten Tour-Etappensieg vergeblich hinterher gejagt war, gratulierte der Topsprinter aus Thüringen. Nicht etwa Degenkolb. Er freute sich mit Martin - seinem Freund, aber auch Kontrahenten: „Es gibt noch Gerechtigkeit“.

Beim deutschen Giant-Alpecin-Team, das früh seinen Zeitfahrer Tom Dumoulin verletzt verloren hatte, läuft es bei der 102. Tour de France alles andere als rund. Degenkolb jagt dem großen Erfolg in einer offensichtlich nicht optimal funktionierenden Mannschaft weiter hinterher, der Franzose Warren Barguil liegt als Bester im Gesamtklassement auf Rang 14.

Platz zwei, die Ränge vier und sechs – Team-Kapitän Degenkolb, im Frühjahr mit Siegen in Sanremo und Roubaix der überragende Mann des Weltradsports, strampelt sich weiter vergebens ab. Die Zuordnung untereinander in den Sprints stimmt nicht. „Das liegt am Team, aber auch ich bin verantwortlich“, übte der Wahlfrankfurter ganz vorsichtig Kritik.

In den beiden Vorjahren, noch ohne deutsche Lizenz, war das Team mit dem achtfachen Etappensieger Kittel als Motor in Sprints fast unbezwingbar. „In diesen Jahr fehlen im Vergleich zum letzten zwei starke Leute im Zug. Der eine ist Tom Dumoulin, der andere bin ich. Ich hatte auch großen Anteil daran, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren“, erklärte Degenkolb, der sich im Kampf um das Grüne Trikot auf Rang vier vorgekämpft, aber gegen den Slowaken Peter Sagan wohl kaum eine echte Chance hat.

Der deutsche Team-Sponsor behält trotz der durchwachsenen Tour-Bilanz und den weiterbestehenden Unklarheiten über die nähere sportliche Zukunft Kittels noch die Nerven. „Nun wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Das sind eben alles Menschen, keine Maschinen.

Wir hatten gehofft, dass John die Kohlen aus dem Feuer holt, aber manchmal läuft es anders, als man es sich auf dem Papier vielleicht ausgerechnet hat“, erklärte Ex-Profi Jörg Ludewig, in der Bielefelder Unternehmensgruppe Dr. Wolff der für das Team zuständige Sportmarketing-Manager. Immerhin: „Das Team hatte doch ein phänomenales Frühjahr.“

Wie es für Kittel sportlich weitergeht, soll laut Teamsprecher Geert Broekhuizen endlich „am Ende dieser Woche“ feststehen.

Der wegen Formschwäche aus dem Tour-Team aussortierte Topsprinter könnte sich als Saisonhöhepunkt die Hamburg Cyclassics am 23. August oder die Spanien-Rundfahrt im September vornehmen. Seine Nicht-Nominierung verteidigt Ludewig nach wie vor: „Eine nachvollziehbare Entscheidung der Teamleitung“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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