Tour de France
Mit Transparenz gegen „Mutanten“

Wie kann man gedopte Fahrer trotz lascher Kontrollen entlarven? Der frühere Festina-Betreuer Antoine Vayer misst Leistungen in Watt und eröffnet eine auf Zahlen basierende Diskussion über das Ausmaß des Radsport-Dopings.
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DüsseldorfMit Zweifeln muss der Profiradsportfan leben. Er hat lernen müssen, dass negative Dopingkontrollen nicht bedeuten, dass auch nicht gedopt wird. Letzte Bestätigung, dass kein sachlicher Zusammenhang zwischen Dopingtests und Dopingverbreitung besteht, lieferte der Bericht der Wahrheitskommission über den holländischen Radsport.

Er ging von einem Anteil von 80 bis 95 Prozent an Dopern im Radsport zumindest in der Hochdopingphase zwischen den späten 90er und den frühen Nullerjahren aus. Doper wurden in dieser Zeit allerdings nur im unteren einstelligen Prozentbereich überführt.

Die WADA-Statistik 2003 zählt im Radsport 12.352 Dopingproben, von denen – immerhin - 486 positiv waren. Erwischt wurden dennoch nur 3,93 %, wie die Untersuchung zeigt. Mindestens 80 % hätten es sein müssen, wenn die Dopingtests ein realistisches Abbild hätten liefern sollen.

Einen alternativen Ansatz, um das Ausmaß von Doping zu erkennen, bietet der französische Leistungsdiagnostiker Antoine Vayer an. Er hat durchaus Erfahrung. Drei Jahre arbeitete er als Trainer in dem zu Skandal-Ehren gekommenen Rennstall Festina.

„Das war mein Laboratorium. Ich habe dort mit 24 Fahrern zusammengearbeitet. Ich habe gesehen, zu welchen Leistungen die Gedopten fähig waren und wie gut sie ohne Doping waren. Und ich habe später mit Fahrern über ihre individuellen Erfahrungen der Leistungssteigerung durch Epo gesprochen“, sagt Vayer Handelsblatt-Online.

Mit diesen Erfahrungen legte er drei Schwellen fest und sortiert Fahrer mit entsprechenden Leistungen ein. Bei 410 Watt beginnt die „Zone des Verdachts“, ab 430 Watt der „Bereich des Wundersamen“, ab 450 Watt spricht Vayer von „Mutanten“.

Vayer rechnete die Zeiten, in denen Spitzenfahrer die wichtigsten Berge der Tour de France seit 1982 erklommen haben, in Wattleistungen um. „Wir haben nur solche Leistungen betrachtet, die am Berg über eine Dauer von mindestens 20 Minuten erbracht wurden und nachdem die Fahrer bereits mindestens fünf Stunden im Sattel gesessen haben.

Hinzu kommen Leistungen bei Bergzeitfahren“, erklärt der Franzose. Unter Einbeziehung von Faktoren wie dem Grad des Anstiegs, Reibungswiderständen zwischen Rad und Straße, Kette und Kettenblatt sowie des Gewichts von Rennfahrer und Rad macht Vayer diese Leistung vergleichbar.

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