Tour de France
Stell dir vor Deutschland gewinnt und keiner sieht hin

Radsport hat in Deutschland einen schweren Stand. Zahlreiche Doping-Skandale haben den Ruf der Sportart demoliert. Die Öffentlich-Rechtlichen übertragen das Sportereignis nicht mehr – zu Unrecht.
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Düsseldorf3663,5 Kilometer, über 16.000 Höhenmeter, Hitze, Regen, Schweiß – Am Samstag hat das größte Sportereignis einer der wohl härtesten Sportarten der Welt begonnen: Die Tour de France. Vom Start in Leeds wird die Creme de la Creme des Radsports bis zum 27. Juli auf dem Weg nach Paris um Etappensiege, Trikots und den Gesamtsieg kämpfen.

Favoriten gibt es reichlich. Der wohl größte ist Christopher Froome. Im vergangenen Jahr hat der Brite die 100. Ausgabe der Tour in einer Art und Weise dominiert, wie man es so zuvor nur beim mittlerweile gefallenen Radsportstar Lance Armstrong gesehen hat. Neben ihm kämpfen Alberto Contador, Vincenzo Nibali und Joaquim Rodriguez um das Gelbe Trikot. Deutsche Radprofis sind heiße Favoriten auf zahlreiche Etappensiege. Sprintstar Marcel Kittel knüpft nahtlos an seine Erfolge aus dem Vorjahr an. Der schnelle Mann, neben Zeitfahrweltmeister Tony Martin eine der größten Hoffnungen des deutschen Radsports, gewann die erste Etappe der 101. Tour de France – ein Auftakt nach Maß. Im vergangenen Jahr holte Kittel ganze vier Etappensiege.

Doch das alles ist total egal, belanglos. Es interessiert hier niemanden. Die Deutschen gucken keinen Radsport. Schon gar nicht, wenn parallel dazu die Fußballweltmeisterschaft läuft. Sind eh alle gedopt, heißt es meist an den Stammtischen deutscher Sportinteressierter.

Und genau dieses Argument – wenn auch nicht ganz so plump – führen auch die öffentlich-rechtlichen-Fernsehsender an, um ihre Nichtübertragung der Tour de France zu begründen. Seit 2011 übertragen weder das ZDF noch das ARD Live-Bilder der Tour. Das Ereignis finde beim Publikum „nur noch geringe Akzeptanz“, hieß es damals in einer Erklärung.

Die Erklärung stimmte. Es war nichts falsch an ihr. Und doch ist sie nicht richtig. Die Wahrheit, das Richtige, ist wie so oft nicht so einfach, wie es sich die Sender und das Publikum gemacht haben.

In der Tat glich der Radsport jahrelang mehr einem Dopingsumpf, denn einer Sportveranstaltung. Unvergessen sind die Bilder als Bjarne Riis 1996 scheinbar mühelos am Berg an der Konkurrenz vorbeiflog – wie sich später herausstellte, bis zum Anschlag vollgepumpt mit Epo. Ein Jahr später folgte Jan Ullrichs Gesamtsieg. 1998 brach der Festina-Skandal aus und 1999 kam ein Radfahrer aus dem fernen Texas, der sich am Radsport verging. Sein systematisches Doping sprengte alles bisher dagewesene.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. 2006: Die Operacion Puerto deckte den Doping-Ring rund um den Gynäkologen Eufemiano Fuentes auf. Es wäre fast der Todesstoß für den Radsport gewesen und es war der Stolperstein für den einstigen deutschen Radsportstar Jan Ullrich.

Und selbst dann war es noch nicht ausgestanden. Das System funktionierte weiter. Das Doping kam über andere Kanäle zu den Sportlern. Patrik Sinkewitz, damals beim Team Telekom, wurde nur ein Jahr nach dem Fuentes-Skandal positiv auf Testosteron getestet. Mit Fug und Recht konnte man sich fragen, wie grenzdebil man sein musste, nach all den Skandalen immer noch zu dopen. Die Deutsche Telekom zog im Anschluss die Reißleine und kappte jegliches Engagement für den Radsport, ARD und ZDF unterbrachen die Übertragung.

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