Tour de France
Vollgas im Regen

Die Tour de France startet in Düsseldorf – und Handelsblatt-Autorin Corinna Nohn brettert im Team-Auto hinter Rick Zabel her. Im strömenden Regen reißt der Sohn von Erik Zabel jedes Tempolimit. Und erlebt den Worst Case.
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DüsseldorfDa oben links auf dem Podium sitzt er jetzt auf seinem Rad, vor sich die Rampe, auf der er in wenigen Minuten zu seiner ersten Tour de France starten wird – fast regungslos, wahrscheinlich schon mit dem Herzschlag im dreistelligen Bereich. „Rick, can you hear me?“, fragt der sportliche Leiter Gennady Michailow ein letztes Mal ins Funkgerät, das am Rückspiegel baumelt. Ja, tut er. Rick heißt mit Nachnamen Zabel.

Zabel, den Namen kennt man – sein Vater ist Erik Zabel, genannt Ete, Ex-Profi, einer der erfolgreichsten deutschen Radfahrer. Sechs mal gewann er bei der Tour de France das Grüne Trikot des besten Sprinters. Rick Zabel saß damals, bei der Siegerehrung in Paris, als kleiner Knirps mit grünem Mini-Trikot auf den Schultern des Vaters – die Bilder gingen um die Welt.

Es gibt noch andere Bilder vom Vater, die um die Welt gingen – als er weinte und zugab, gedopt und seinen Sohn angelogen zu haben. Und doch wurde Rick wie der Vater Sprinter. Nun, entweder hat man die Oberschenkel und das Talent oder nicht, und wenn man den Beteuerungen und den Blutpässen und immer engmaschigeren Kontrollen glauben darf, ist der Sport heute ein anderer als damals.

Rick Zabel denkt da gerade bestimmt nicht dran. Vielleicht sieht er die nasse Rampe und ärgert sich, dass bei der letzten Trainingsrunde noch die Sonne schien und heute, 17 Minuten vor Start des ersten Fahrers, der Nieselregen einsetzte. Andere haben mir gesagt: Das ist dann auch egal, wenn du da oben stehst, dann bist du „im Tunnel“, konzentriert auf die Aufgabe, die vor dir liegt. Heute: 14 Kilometer Kilometer Volldampf.

Auch vor mir liegen diese 14 Kilometer – ich sitze in einem Wagen seines Teams Katusha-Alpecin, auf dem Rücksitz hinter dem sportlichen Leiter Gennadi Michailow. Er war selbst Profi, nahm an der Tour teil. Jetzt wirkt er so ruhig, als habe er eine Packung Johanniskraut intus.

Den berühmten Vater Zabel habe ich kurz vor Start am Katusha-Alpecin-Bus auch angetroffen, „Ach Sie sind das, die den Platz besetzt, den ich gern hätte“, scherzt er. Ob er, der den Tour-Zirkus kennt wie wenige, nervös ist beim ersten Start des Sohnes? „Nee, heute nicht, morgen dann!“ Klar: Heute geht es für Rick Zabel vor allem darum, ordentlich durchzukommen und gut rein zu finden ins größte Sportereignis des Jahres – er als Sprinter hat keine Ambitionen auf den Gesamtsieg oder eine vordere Platzierung im Zeitfahren.

Als Top-Helfer des erfahrenen Katusha-Alpecin-Stars Alexander Kristoff ist er vor allem auf der zweiten Etappe gefragt, da wird am Ziel in Lüttich voraussichtlich gesprintet. Einen Tipp hat der Vater dem Sohn auch nicht mehr gegeben. „Hat der nicht mehr nötig.“

Ich überlege noch, ob Rick seinen Sohn dann wohl Ick nennen wird, da geht es ganz schnell – das Auto vor uns und Lars Ytting Bak, der Fahrer vor Rick Zabel, sind angefahren. Wir rücken vor, ein Quäken ist das Go für Zabel mit der 129 auf dem Rücken. Der 23-Jährige ist „en route“ – und wir mit ihm. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solchen Start mit einem Auto hingelegt zu haben. Von null auf 40, 50 Stundenkilometer in wenigen Sekunden, Zabel gibt das Tempo vor. Der eigentlich familientaugliche Kombi, Radständer auf dem Dach, muss halt dran bleiben.

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Vollgas im Regen

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Mit Vollgas ins Pech

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