Tour-Teilnehmer im Porträt
Nach Bassos Aus freie Fahrt für Sastre und Voigt

Kaum zwei Stunden nach dem Tour-Aus für Jan Ullrich hatte der Radsport-Super-GAU auch Italien erfasst und endgültig gesamt-europäische Ausmaße angenommen. Der dänische Rennstall CSC um Teamchef Bjarne Riis, Ullrichs Ex-Kollegen, zog die Konsequenzen aus den mutmaßlichen Verwicklungen seines Parade-Pedaleurs Ivan Basso in den spanischen Doping-Skandal und suspendierte den Giro-Sieger am Vortag des Prologs in Straßburg. "Ich muss an mein Team denken, das ist jetzt das Wichtigste", sagte Riis, bekräftigte aber: "Ich vertraue Ivan, aber es liegt jetzt an ihm und seinen Anwälten zu zeigen, dass er nichts mit der Affäre zu tun hat."

Basso, die große Hoffnung der großen italienischen Radsport-Nation zeigte sich kurz geknickt, gab sich aber schnell wieder optimistisch und kämpferisch: "Ich habe in meinem Leben schon Schwierigeres erlebt. Vor zwei Jahren war ich bei der Tour, obwohl ich gewusst habe, dass meine Mutter an Krebs erkrankt war. Dies ist nichts im Vergleich. Ich werde meine Unschuld beweisen. Bald werde ich wieder fahren und siegen."

Damit ist natürlich das gesamte CSC-Konzept über den Haufen geworfen, das wie beim Konkurrenten T-Mobile nur darauf ausgerichtet war, den unumstrittenen Kapitän heil und im Gelben Trikot nach Paris zu bringen. Bei CSC heißt der Kapitän nun wohl Carlos Sastre. Der Spanier war bislang Bassos Edeldomestike und wichtigster Helfer am Berg, musste seine eigenen Ziele dabei meist außer Acht lassen. Nun hat Sastre freie Fahrt - und die kann in durchaus in die Nähe Podests bringen. Dreimal fuhr Sastre schon unter die ersten Zehn des Gesamtklassements, 2004 erreichte er als Achter seine bislang beste Platzierung. Der bislang größte Erfolg des starken Kletterers, der seine Schwächen im Zeitfahren hat, war der zweite Platz bei der Vuelta 2005 hinter Denis Mentschow. Der eigentliche Sieger, Sastres Landsmann Roberto Heras, wurde damals wegen Dopings disqualifiziert - profitiert der 31-Jährige nun erneut vom "Pech" eines Stärkeren, der dieses Mal sein Teamkollege ist?

In Ex-Telekom-Fahrer Bobby Julich (USA), bei der "Skandal-Tour" 1998 Dritter, hat Sastre einen starken Adjutanten an seiner Seite, der am Berg allerdings nicht mehr das allerhöchste Tempo mitgehen kann. Bassos Tour-Aus bringt für den deutschen Kämpfer Jens Voigt neue Möglichkeiten. Der Routinier aus Berlin kann einige der eigentlich für seinen Kapitän aufgesparten Körner für die eine oder andere seiner berüchtigen Fluchten nutzen. Beim Prolog und den beiden großen Zeitfahren ist der US-Amerikaner David Zabriskie ein heißer Sieganwärter, der australische Sprint-Fuchs Stuart O'Grady ist ein Kandidat für das Grüne Trikot. Komplettiert wird der dänische "Achter" von Christian Vandevelde (USA), dem Luxemburger Fränk Schleck und dem mittlerweile 37 Jahre alten Giovanni Lombardi (Italien) .

Tour-Bilanz:


Teilnahmen: 5
Etappenerfolge: 7

© SID

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