Tour-Teilnehmer im Porträt
Ullrichs große Chance

Klödens Chance nach dem großen Schock Die Pressemitteilung am Freitagmorgen, knapp 30 Stunden vor dem Start der 93. Tour de France, traf Radsport-Deutschland tief ins Mark: "Im Zuge der Ermittlungen in der spanischen Radsport-Dopingaffäre liegen dem Bonner T-Mobile Team neue Erkenntnisse vor, die begründete Zweifel an den bislang geäußerten Unschuldsbeteuerungen von Jan Ullrich, Oscar Sevilla und Rudy Pevenage aufkommen lassen...Der Sponsor des Radrennstalls, der Mobilfunkkonzern T-Mobile, hat daraufhin die Teamleitung aufgefordert, die beiden Athleten und den Sportlichen Leiter mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres zu suspendieren."

Aus der Traum vom zweiten Tour-Sieg, dem Ullrich seit seinem Triumph 1997 vergeblich nachjagt. Aus der Traum vom großen Duell des deutschen Velo-Idols mit dem Helden der Italiener Ivan Basso, der ebenfalls von seinem Rennstall suspendiert wurde. "Ich bin geschockt", sagte Ullrich. "Ich habe nach wie vor mit der Sache nichts zu tun." Seine Teamkollegen hatten aus Solidarität mit Ullrich und seinem Berg-Helfer Sevilla zunächst einen Verzicht auf die Tour erwägt, ihr (Ex-)Kapitän wollte davon aber nichts wissen und sprach ihnen Mut zu: "Ich habe ihnen aber gesagt: 'Jetzt erst recht!' Sie sollen für mich bei der Tour kämpfen."

So begibt sich in Straßburg nur noch ein "T-Mobile-Torso" von sieben Fahrern an den Start, von denen freilich keiner an die Qualitäten eines Ullrich in der Vor-Tour-Form heranreicht, die aber dennoch das Potenzial haben, bei der Großen Schleife für eine Überraschung zu sorgen. In die Kapitänsrolle schlüpfen nun Andreas Klöden und Michael Rogers. Klöden stand in seiner Karriere schon mehrmals vor dem ganz großen Durchbruch: Schon 2000 gewann er Paris-Nizza, die Baskenland-Rundfahrt sowie Olympia-Bronze, konnte an diese Form aber lange nicht mehr anknüpfen. Erst 2004 fuhr er wieder ins Rampenlicht, wurde bei der Tour de France noch vor Basso und Ullrich Zweiter. Es war der bislang letzte Coup des ausgezeichneten Berg- und Rundfahrers: 2005 musste Klöden die Frankreich-Rundfahrt verletzt aufgeben, auch in diesem Jahr setzte ihn eine lädierte Schulter lange außer Gefecht. Rechtzeitig zum Saison-Höhepunkt zeigte der 31-Jährige aber wieder ansteigende Form.

Der Australier Michael Rogers, Neuzugang von Quickstep, ist einer der besten Zeitfahrer der Radsport-Szene. Dreimal wurde der 26-Jährige in dieser Disziplin Weltmeister, zudem bringt er sehr passable Fähigkeiten am Berg mit. Bei der Tour de Suisse 2005 wurde Rogers Gesamtzweiter, zwei Jahre zuvor gewann er die Deutschland-Tour. Auch wenn der Mann aus "Down under" in der unmittelbaren Tour-Vorbereitung nicht unbedingt restlos überzeugen konnte, ist ein Platz unter den ersten Zehn im Gesamtklassement auf jeden Fall möglich.

Den beiden "Vorfahrern" sollen die erfahrenen Neuzugänge Eddy Mazzoleni und Sergej Gontschar sowie der alte Haudegen Giuseppe Guerini am Berg zur Seite stehen. Das unfreiwillig kleine Tour-Team komplettieren die beiden Deutschen Matthias Kessler und Patrik Sinkewitz, beides gute Rundfahrer, die auch im Gebirge wertvolle Dienste leisten und bei der schwierigen Aufgabe helfen können, auch ohne Ullrich für eine erfolgreiche Tour 2006 zu sorgen.

Tour-Bilanz:


Teilnahmen: 14
Etappenerfolge: 27

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%