Treffen der Welthandball-Führungsspitze
Schweigen und Aussitzen

Es ist die erste Sitzung nach dem Skandal: In Franken trifft sich die Führungsspitze des Welthandballs, um über die Zukunft zu beraten. Korruption und Missmanagement sind keine Themen, und das, obwohl immer neue Details über unlautere Praktiken des Verbandspräsidenten ans Tageslicht kommen. Wie der Handball die Chance auf Selbstheilung verspielt.

HERZOGENAURACH. Im Dezember 2007 hatte der 17-köpfige Rat der Internationalen Handball-Föderation (IHF) öffentlich den spektakulären Korruptionsfall von Toyota eingestanden und die Wiederholung des asiatischen Qualifikationsturniers für Peking 2008 beschlossen – ein einmaliger Vorgang in der olympischen Geschichte. Nun trifft sich das höchste Gremium erstmals wieder. Partner Adidas hat die Funktionäre für das kommende Wochenende an den Firmensitz nach Herzogenaurach eingeladen, um über nichts Geringeres zu beratschlagen, als die nahe „Zukunft des Handballs“ (Handballwoche).

Der IHF-Rat will unter anderem den Standort der Männer-WM 2011 festlegen, die in jedem Fall in Europa stattfinden wird: Neben Favorit Spanien haben sich Dänemark, Schweden und Ungarn beworben. Für das Frauenturnier 2011 gibt es mit Brasilien nur einen Bewerber. Zudem wird spekuliert, dass der ägyptischen IHF-Präsident Hassan Moustafa bereits einen neuen TV-Vertrag für den Zeitraum 2010 bis 2013 präsentieren wird, um seine Chancen für eine Wiederwahl zu erhöhen. Laut Insidern sollen Bieter wie Ufa Sports und Sportfive bereit sein, dafür umgerechnet 32 Millionen Euro zu zahlen, was das bisherige Volumen (20 Millionen Euro) um knapp mehr als 50 Prozent erhöhen würde.

Moustafa hat zuletzt intensiv verhandelt, auch mit der Europäischen Rundfunkunion EBU. Denn er muss unbedingt Erfolge vorweisen. Schließlich hat das Image des Weltverbandspräsidenten im letzten Jahr erheblich gelitten: Moustafa schrieb durch eine ganze Serie von Skandalen negative Schlagzeilen. Was in den Zeitungen stehe, sei allerdings „nicht die Wahrheit“, versicherte der Ägypter kürzlich auf dem Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB) in Hamburg. Doch seine abenteuerliche Rolle im Korruptionsfall von Toyota musste er sogar vor Gericht einräumen. Der Prozess des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) legte offen, dass Moustafa persönlich die deutschen Schiedsrichter Lemme/Ullrich abgesetzt hatte, die ursprünglich die heikle Partie am 1. September 2007 zwischen Kuwait und Südkorea (28:20) leiten sollten. Stattdessen pfiffen zwei Jordanier, die nicht den nötigen IHF-Status besaßen und es fertig brachten, 38:0-Entscheidungen gegen Südkorea zu pfeifen. Zuvor hatte der kuwaitische Scheich Ahmad Al-Fahad Al Sabah, Präsident des Asiatischen Handballverbandes und mächtiges IOC-Mitglied, den IHF-Boss mit einem Fax unter Druck gesetzt: Er hätte ihm doch „in die Hand versprochen“, in Asien frei handeln zu dürfen.

Seite 1:

Schweigen und Aussitzen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%