Trendsport Klettern
Die Deutschen gehen die Wände hoch

Es geht aufwärts in Deutschland: Klettern hat sich bundesweit zum Trendsport entwickelt. Die Anlagenbetreiber bauen in etlichen Großstädten großflächige Erlebniswelten – und auch die Ausrüster freuen sich über die wachsende Nachfrage nach Seilen und Kletterschuhen.

DÜSSELDORF. Eigentlich sollte die größte Kletteranlage Europas genügend Platz bieten. 4 000 Quadratmeter Kletterfläche hält das Zentrum in München-Thalkirchen bereit. Doch das 1999 eröffnete Gelände hat bereits seine Kapazitätsgrenze erreicht. Mit 174 000 Besuchern kamen vergangenes Jahr noch einmal 13 000 mehr als 2007. Um dem Ansturm Herr zu werden, wollen die Betreiber nun im nächsten Frühjahr mit dem Bau einer zweiten Halle beginnen. „Die Nachfrage geht stetig nach oben“, sagt Markus Wiedemann, Assistent der Geschäftsleitung. „Und ein Ende ist nicht abzusehen.“

Ob Schauspieler Ralf Bauer oder Formel-1-Pilot Nico Rosberg: Klettern ist zum Massensport geworden. Nach Schätzungen des Deutschen Alpenvereins (DAV) machen in Europa inzwischen mehr als zwei Millionen Menschen mit, davon allein in Deutschland 300 000.

Während früher die lange Anfahrt zu den Klettergebieten viele Interessierte abschreckte, haben die neuen überdachten Erlebniswelten den ehemaligen Gebirgssport auch in den Städten populär gemacht. Laut Fachverband für künstliche Kletteranlagen und Indoor-Klettern (Klever) eröffnen in Deutschland jährlich rund zehn neue Hallen. In den Indoor-Anlagen seien gerade einmal 40 Prozent Leistungskletterer zu finden, sagt Edgar Faller, der zweite Vorsitzende von Klever. „50 Prozent sind Anfänger.“ Der Rest teile sich auf in Schulklassen und Familien.

Die erste künstliche Kletteranlage Deutschlands entstand 1970 auf dem Teufelsberg in Berlin. Heute gibt es etwa 370 solcher Einrichtungen. Die Hälfte davon betreiben die Sektionen des DAV, die andere Hälfte kommerzielle Anbieter. Noch nicht eingerechnet sind die zahlreichen kleineren Wände in Fitnesscentern, Schulen, Universitäten und Reha-Einrichtungen.

Der Kraxel-Boom kommt auch den Ausrüstern zugute. Uwe Hofstädter, der im Jahr 1996 zusammen mit dem bekannten deutschen Kletterer Stefan Glowacz die Schuhmarke Red Chili gründete, sagt: „Wir profitieren vom Zulauf in den vielen neuen Kletterhallen.“ Das Unternehmen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Die ursprüngliche Idee, Kletterschuhe von Kletterern für Kletterer zu machen, schlug ein.

Red Chili hat nach eigenen Angaben in Deutschland einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent. Zu den Konkurrenten zählen die italienischen Unternehmen La Sportiva und Scarpa, die spanische Firma Boreal und der US-Hersteller Mad Rock.

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