Turnen DM
Hambüchen triumphiert am Boden und am Reck

Turner Fabian Hambüchen hat bei den Deutschen Meisterschaften in Stuttgart einen Tag nach seiner Titelverteidigung im Mehrkampf auch die Titel am Boden und am Reck gewonnen. Thomas Andergassen errang sogar drei Siege.

Turner Fabian Hambüchen hat bei den Deutschen Meisterschaften in Stuttgart seine Ausnahmestellung einmal mehr unter Beweis gestellt. Einen Tag nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung im Mehrkampf sicherte sich der Ausnahmeturner von der TSG Niedergirmes vor 1900 Zuschauern in der neuen Porsche-Arena auch die Titel am Boden und am Reck.

Andergassen macht auf sich aufmerksam

In den Gerätefinals allerdings stahl ihm Thomas Andergassen ein wenig die Schau. Der Stuttgarter Lokalmatador präsentierte sich ebenfalls in Glanzform und lag am Seitpferd, an den Ringen und am Barren vorn.

Dabei war besonders der erste Platz im Kür-Sechskampf für den letztjährigen Reck-Europameister alles andere als ein Selbstgänger. Mit 0,9 Punkten Rückstand auf seinen bislang weitgehend unbekannten Herausforderer Philipp Boy aus Cottbus ging Hambüchen an das "Königsgerät" und erwies sich dort als extrem nervenstark. Während der Jugend-Meister der Jahre 2004 und 2005 zweimal patzte, behielt der 18 Jahre alte Gymnasiast die Ruhe und kam fehlerfrei durch seine Kür.

"Ich hätte mir sogar gewünscht, dass Philipp sauber durchturnt, dann hätte ich auf meine Übung noch richtig was draufpacken müssen. Herausforderung tut mir immer gut", sagte Hambüchen anschließend selbstbewusst. In dieser Verfassung ist der Olympia-Siebte bei den Welttitelkämpfen vom 14. bis 21. Oktober im dänischen Aarhus ein Finalkandidat mit realistischen Medaillenchancen - mindestens. "Für uns einfach unersetzlich", sagte Bundestrainer Andreas Hirsch knapp.

"Mein Ziel bleibt es, ein großer Mehrkämpfer zu werden"

Trainer und Vater Wolfgang Hambüchen konnte auch mit Zufriedenheit registrieren, dass sich sein Sohn auch an den Ringen, seinem bislang schwächsten Gerät, deutlich verbessern konnte und sogar eine unerwartete Bronzemedaille gewann. Hambüchen junior: "Mein Ziel bleibt es, ein großer Mehrkämpfer zu werden."

Folgerichtig wird der Hesse die deutsche WM-Riege anführen, komplettiert von Andergassen und Boy, dessen Klubkameraden Robert Juckel sowie Eugen Spiridonow (Bous), Vize-Europameister am Seitpferd. Für Hirsch ist der 19-Jährige Boy ein Musterbeispiel für dem fließenden Übergang vom Junioren- zum Seniorenbereich: "Da hat er geradezu eine Mauer eingerissen."

Dennoch ärgerte sich der Lausitzer über die vertane Chance beim Mehrkampf und konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen: "Ich habe es Fabian zu leicht gemacht." Für den Chefcoach hingegen hatte das knappe Scheitern auch einen positiven Lerneffekt: "Er konnte einfach sein Adrenalin nicht mehr regulieren. Mittelfristig war das das Beste, was ihm passieren konnte."

Angeschlagene Bijak nicht zu stoppen

Bei den Turnerinnen bestätigte Daria Bijak ihre herausragende Stellung. Geschwächt vom Jetlag, behindert durch die Nachwirkungen einer Meniskusoperation und gehandicapt durch fehlende Zeit für das Training, verteidigte die Kölnerin nicht nur ihren Mehrkampf-Titel, sondern gewann auch Gold am Stufenbarren. Am Sprung ging Rang eins an die Ulmerin Theresa Sporer, Jenny Brunner aus Chemnitz siegte am Schwebebalken, Bodenmeisterin wurde Kim Bui (Tübingen).

"Unter diesen Bedingungen bin ich mit meinem Abschneiden sehr zufrieden", sagte die 20-Jährige, die seit kurzem Theater- und Filmproduktion in der Olympiastadt Salt Lake City studiert. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall der Berlinerin Katja Abel, EM-Dritte beim Sprung, geht es für die DTB-Athletinnen bei der WM nur um das Minimalziel Rang 24. Diesen Platz muss man in Aarhus mindestens belegen, um sich für die Welttitelkämpfe 2007 in Stuttgart zu qualifizieren.

"Unsere Personaldecke ist dünn, aber uns bleibt nur, da positiv ranzugehen", erklärte Cheftrainerin Ulla Koch. Die Rheinländerin vergab die ersten vier WM-Tickets an Bijak, Bui, Brunner und Heike Gunne (Niedergirmes). Die restlichen Nominierungen folgen in den kommenden Wochen.

© SID

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