Turnen EM
Hambüchen findet Angriffslust wieder

Nach der Enttäuschung über das verpasste Reckfinale will der entthronte Europameister Fabian Hambüchen nun mit der Mannschaft glänzen. Zudem steht der 18-Jährige im Endkampf am Boden und im Sprung.

Vielseitigkeit statt Einzel-Titel ist das neue Motto von Deutschlands Vorzeige-Turner Fabian Hambüchen. Leider nicht ganz freiwillig musste der entthronte Reck-Europameister bei den Titelkämpfen seine Zielsetzung verändern. Erst weinte der 18-Jährige bittere Tränen, dann fand Hambüchen seinen Angriffslust wieder. "Die Mannschaft und ich haben nichts zu verlieren und werden am Wochenende wieder angreifen. Ich werde es allen zeigen, dass ich es besser kann. Die Konkurrenz soll sehen, dass sie auch künftig mit mir zu rechnen hat", sagte der Reck-Spezialist.

Minutenlang hatte Gymnasiast nach dem verkorksten Ende seiner Reckübung den Kopf unter seiner Trainingsjacke vergraben und bittere Tränen vergossen. Doch aus diesem textilen Schneckenhaus kam wieder ein Athlet zum Vorschein, der in der bislang schwärzesten Stunde seiner Karriere wahre Größe und eine für sein Alter bemerkenswerte Reife bewies.

Im Sprung und am Barren im Finale

Und auch Professionalität, denn der Turner aus Niedergirmes wies ganz gezielt darauf hin, dass er ja immerhin quasi ersatzweise die Gerätefinals beim Sprung und am Barren erreicht habe: "Ich habe immer gesagt, dass ich auch ein guter Mehrkämpfer werden will, und auf dem Weg dorthin sind diese beiden Qualifikationen wichtige Schritte." Diese Vielseitigkeit könnte Hambüchen auch dazu befähigen, die deutsche Riege bei der Mannschafts-Entscheidung am Samstag (15 Uhr Mesz) in die Medaillenränge zu führen.

Bundestrainer Andreas Hirsch nahm seinem Top-Athleten das Verpassen des Reck-Finales auch nicht übel, nicht einverstanden war der Chefcoach allerdings mit dem Übereifer des Hessen bei dessen anschließendem Vortrag am Boden. Hier wollte Hambüchen mit Brachialgewalt die am Reck verlorenen Zehntelpunkt zurückholen, beendete seine Kür aber wie schon am "Königsgerät" mit einem Sturz.

Abgang wird verändert

"Fabian hat einfach zu viel gewollt. Am Samstag wird er einen anderen Abgang turnen", kündigte der Berliner nach einem Gespräch mit dem deutschen Mehrkampf-Meister an. Dass die beiden Patzer Hambüchens die Finalqualifikation des deutschen Quintetts nicht gefährdeten, war der Verdienst seiner Teamkollegen, die zuletzt meist im Schatten des Olympia-Siebten standen. Robert Juckel aus Cottbus und Eugen Spiridonow (Bous) erreichten den Endkampf am Reck, der Stuttgarter Thomas Andergassen das Ringe-Finale.

Insofern logisch, dass das Zwischenfazit von Wolfgang Willam positiv ausfiel. "Mit dem Team haben wir das Minimalziel, die Qualifikation für die Entscheidung, erreicht. Fünf Finalplätze sind eine Rekordzahl, die uns Mut für die Zukunft machen", sagte der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB). DTB-Präsident Rainer Brechtken sah in dem besten EM-Abschneiden deutscher Turner seit zwölf Jahren "eine unverkennbar positive Entwicklung".

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%