Turnen EM
Spiridonow rettet deutsche Turner-Ehre bei EM

Zum Abschluss der Kunstturn-EM im griechischen Volos hat Eugen Spiridonow dem Deutschen Turner-Bund (DTB) am Sonntag mit dem zweiten Platz am Seitpferd die einzige Medaille beschert.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hat zum Abschluss der Kunstturn-EM im griechischen Volos die einzige Medaille eingeheimst. Außenseiter Eugen Spiridonow gewann am Seitferd überraschend die Silbermedaille. Die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) setzte jedoch im wichtigen Mannschafts-Wettkampf die Talfahrt der vergangenen Jahre fort, Rang sieben war die schlechteste Platzierung in der Team-Entscheidung seit zwölf Jahren.

Doch das konnte die Freude des in Russland geborenen Zeitsoldaten Spiridonow in keiner Weise trüben. "Das ist meine erste internationale Medaille überhaupt. Nachdem andere Turner Fehler gemacht hatten, wusste ich, dass ich eine Chance habe", berichtete der Wahl-Saarländer, der seit 2001 in Deutschland lebt.

Spiridonows Irrtum nach dem Erfolg

Noch bei der Siegerehrung ging der 24-Jährige davon aus, Dritter geworden zu sein und bestieg das falsche Treppchen. Vor lauter Glückseligkeit hatte er gar nicht mitbekommen, dass die Übung von Titelverteidiger Krisztian Berki aus Ungarn nachträglich abgewertet worden war. Spiridonow: "Wir haben vor der EM besonders viel am Seitpferd trainiert, jetzt hat es sich endlich gelohnt."

Doch insgesamt fiel die deutsche Bilanz nicht positiv aus. "Generell ist dieses Ergebnis unbefriedigend, in der Stabilität ist Einiges zu tun. Aber ich sehe keine strukturellen Probleme, deshalb will ich das Abschneiden auch nicht dramatisieren. Das Potenzial für bessere Resultate ist da", sagte DTB-Präsident Rainer Brechtken. Chefcoach Andreas Hirsch strich die Einstellung seiner Mannschaft heraus: "Wie sie nach den individuellen Fehlern am Reck anschließend am Boden wieder in den Wettkampf gefunden haben, war beeindruckend und ein positives Zeichen für mich."

Die europäischen Titelkämpfe verdeutlichten, dass das Gesamtbild der deutschen Gerätartisten mit den Leistungen von Fabian Hambüchen steht und fällt. Der WM-Vierte konnte seinen Titel am Reck nicht verteidigen, patzte im Mannschafts-Finale erneut am "Königsgerät", motivierte seine Teamkollegen unmittelbar danach jedoch mit einer Weltklassekür am Boden. "Insgesamt hält sich mein Ärger in Grenzen, denn Volos ist letztlich nur eine Station auf dem Weg zu Olympia 2008 in Peking", analysierte der 18-Jährige.

Andergassen und Juckel ohne Chance

Und so nahm der Olympia-Siebte von der TSG Niedergirmes auch nicht krumm, dass es auch am Schlusstag nicht mehr zu Edelmetall reichte. Beim Sprung erkämpfte sich der deutsche Mehrkampf-Meister mit zwei sehenswerten Flügen über den Sprungtisch einen verdienten fünften Platz. Rang Sieben war das Schlussresultat für den Hessen am Barren. Nicht unerwartet gingen mit Ausnahme von Spiridonow auch Hambüchens Teamkollegen vor 2 500 Zuschauern in der ausverkauften Schwimmhalle von Volos leer aus. Der Stuttgarter Thomas Andergassen kam an den Ringen ebenso auf den achten und letzten Platz wie am Seitpferd Robert Juckel aus Cottbus.

Andergassen, Juckel sowie Mannschaftsturner Robert Weber aus Hannover müssen sich spätestens im kommenden Jahr auf erhebliche interne Konkurrenz einstellen, wenn es um die Plätze in der deutschen Riege für die WM 2007 in Stuttgart geht. Denn die DTB-Junioren gewannen in Griechenland erstmals den Team-Wettbewerb, im Mehrkampf erturnte sich der Chemnitzer Max Finzel die Bronzemedaille. Und mit insgesamt zwei Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille avancierte Steve Woitalla aus Cottbus sogar zum erfolgreichsten EM-Nachwuchsturner insgesamt.

"Steve und seine Mannschaftskameraden haben ganz große Möglichkeiten", sagte Nachwuchscoach Jens Milbradt über sein Quintett. Der 18 Jahre alte Lausitzer Woitalla kam sogar fast an den WM-Vierten Hambüchen heran, der vor zwei Jahren bei der Nachwuchs-EM in Ljubljana drei Titel geholt hatte. 2007 werden die europäischen Titelkämpfe im Mai in Amsterdam ausgetragen.

© SID

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