Turnen EM
"Turn-Oma" Chusovitina sorgt für EM-Gold

Oksana Chusovitina hat für das erste deutsche EM-Turn-Gold seit 1957 gesorgt. Im französischen Clermont-Ferrand siegte die 32-jährige Ausnahmeathletin am Sprung.

Als sie Gold gewonnen und Geschichte geschrieben hatte, musste selbst Oksana Chusovitina herzhaft lachen. Mit einem Lächeln im Gesicht durfte sich die sonst so ernste Wahl-Kölnerin als erste Europameisterin des Deutschen Turner-Bundes (DTB) seit 1957 feiern lassen. Für ihre Verhältnisse winkte die 32-Jährige geradezu ausgelassen ins Publikum, nachdem sie am Sprung ihre bis zu 15 Jahre jüngeren Konkurrentinnen hinter sich gelassen hatte.

Dabei konnte sich die "Queen Mum" der internationalen Turnszene sogar einen Sturz im zweiten Versuch leisten, nachdem sie sich mit ihrem ersten Sprung, einem Überschlag-Strecksalto mit halber Schraube, einen komfortablen Vorsprung von fast einem Punkt herausgearbeitet hatte. Am Ende reichten 14,812 Zähler, um die beiden Italienerinnen Carlotta Giovannini (14,662) und Francesca Benolli (14,462) in Schach zu halten und älteste Turn-Europameisterin aller Zeiten zu werden.

"Das muss ich wohl noch lernen"

Auch in der Stunde des Triumphes verlor die gebürtige Usbekin nicht ihren hintergründigen Humor. "Der erste Sprung war super, beim zweiten Sprung habe ich mich zu früh auf die Landung vorbereitet. Das muss ich wohl noch lernen. Aber ich bin natürlich überglücklich", sagte die Team-Olympiasiegerin von 1992 augenzwinkernd.

Schon in Peking wird Chusovitina erneut in die Historie eingehen - als erste Kunstturnerin, die fünfmal an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Die einmalige Karriere der Sportlehrerin, die seit zwei Jahren im Besitz eines deutschen Passes ist, begann bereits 1991 mit dem WM-Titel beim Pferdsprung für die Udssr, ein Jahr später wurde sie Mannschafts-Olympiasiegerin mit der Riege der GUS.

Oksana ist ein Phänomen"

"Oksana ist ein Phänomen und ein unersetzliches Vorbild für die anderen Mädchen", lobte Cheftrainerin Ulla Koch ihre Vorzeigeathletin. Chusovitina ist vor allem aber auch außerhalb der Turnhalle eine Kämpferin. Vor sechs Jahren erkrankte ihr Sohn Alisher an Leukämie, Mutter Oksana turnte eisern weiter, um mit den gewonnenen Preisgeldern die hohen Behandlungskosten zu bezahlen.

Im Finale am Boden lief es für den Schützling von Trainerin Schanna Poljakowa im mit 5 000 Zuschauern ausverkauften "Maison des Sports" nicht ganz so gut. Zum Abschluss der Titelkämpfe musste Chusovitina an diesem Gerät mit dem sechsten Platz zufrieden sein. Boden-Europameisterin wurde Sandra Izbasa aus Rumänien, an Stufenbarren und Schwebebalken siegte die Russin Ksenia Semenowa.

Die neue europäische Sprung-Königin hatte auch einen großen Anteil daran, dass die deutsche Riege im Mannschafts-Wettbewerb so gut abschnitt wie seit zwölf Jahren nicht mehr und auf Rang sieben kam. Das Teamgold ging zum fünften Mal an das Quintett aus Rumänien. Zusammen mit der Berlinerin Katja Abel und Marie-Sophie Hindermann aus Tübingen startet Chusovitina am kommenden Wochenende im Weltcup beim "Turnier der Meister" in Cottbus.

© SID

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