Turnen International
WM-Aus für Mehrkampfmeister Nguyen

Die deutschen Kunstturner mussten in Schaffhausen einen schweren Schlag hinnehmen: Marcel Nguyen hat sich einen Wadenbeinbruch zugezogen. Fabian Hambüchen ist noch nicht fit.

Der neue Champion schwer verletzt, Fabian Hambüchen nur ein "Teilzeit-Turner" - drei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Rotterdam hat sich die Personallage bei den deutschen Kunstturnern dramatisch verschärft. Gerade erst vor zwei Wochen in Berlin zum neuen deutschen Mehrkampf-Meister gekürt, zog sich Marcel Nguyen beim WM-Testländerkampf in Schaffhausen einen Bruch des rechten Wadenbeins zu und fällt für mehrere Monate aus.

Und auch bei Mehrkampf-Europameister Fabian Hambüchen läuft es noch nicht rund. Der 22-Jährige musste in der Schweiz am Boden und beim Sprung wegen einer Fußverletzung erneut passen, ab Montag will er beim WM-Lehrgang in Kienbaum erste Tests an diesen beiden Geräten absolvieren.

Bundestrainer Hirsch macht gute Miene zum bösen Spiel

DTB-Chefcoach Andreas Hirsch machte dennoch gute Miene zum bösen Spiel um seine Riege, die trotz ihrer personellen Probleme mit 353,90 Punkten gegen Gastgeber Schweiz (346,65) und Rumänien (345,95) die Oberhand behielt. "Natürlich erfordert das alles eine neue Zusammenstellung, aber es ist gut zu wissen, dass wir hinter der Spitze eine dichte Breite haben. Wir kriegen trotzdem eine starke Mannschaft zusammen", erklärte der Bundestrainer. Zum Beispiel mit Philipp Boy aus Cottbus, der in der Schweiz der beste deutsche Einzelturner im Mehrkampf war.

Beeindruckend war auch die Nervenstärke der deutschen Gerätartisten, denn sie mussten schon während des ersten von sechs Durchgängen auf ihren verletzten Teamkollegen verzichten. Der 23-Jährige knickte beim Dreifach-Tsukahara am Boden um und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Dort diagnostizierten die Ärzte einen glatten Bruch, der nicht operiert und eingegipst werden muss. Dennoch ist die Saison für den Unterhachinger vorbei, sein nächstes Ziel sind die europäischen Titelkämpfe im April kommenden Jahres in Berlin.

Hambüchen gab sich wie Chefcoach Hirsch kämpferisch, was die WM-Aussichten der deutschen Riege betraf: "China und Japan sind jetzt natürlich weg, aber ein dritter Platz ist immer noch möglich." Man würde mit einer solchen Platzierung nahtlos an die Welttitelkämpfe 2007 in Stuttgart anknüpfen, wo das deutsche Team mit dem Heimvorteil im Rücken fast sensationell die Bronzemedaille gewonnen hatte.

Hambüchen zumindest am Reck stark

Hambüchen stellte zumindest am Reck seine absolute Weltklasse unter Beweis und erreichte dort mit 15,800 Punkten die Tageshöchstnote. Und zumindest verschlimmerten sich seine Fußprobleme beim Länderkampf nicht.

Sehr kleine Brötchen backen werden in Rotterdam die deutschen Kunstturnerinnen. Stark ersatzgeschwächt kann es für das Team von Cheftrainerin Ulla Koch im Ahoy-Sportpalast nur darum gehen, wenigstens einen Platz unter den besten 24 Mannschaften herauszuturnen. Damit wäre man für die Welttitelkämpfe im Oktober 2011 in Tokio qualifiziert, dort geht es dann um die Olympia-Qualifikation.

"Wir haben aus der Trainingsbelastung herausgeturnt", kommentierte Koch den zweiten Platz mit 214,40 Punkten hinter Ex-Weltmeister Rumänien (229,55) und vor der Schweiz (210,30). Die größten Defizite offenbarten sich dabei am Stufenbarren, wo keine einzige Übung sauber durchgeturnt wurde.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%