Turnen Olympia
Kunstturnerinnen qualifizieren sich für Olympia

Die deutschen Kunstturnerinnen haben bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart vorzeitig das Ticket für die Olympischen Spiele 2008 in Peking gelöst. Rang eins im Zwischenklassement eroberten die USA vor China.

Gebangt, gehofft und dann gejubelt - vorzeitig und vom Stuttgarter Publikum frenetisch gefeiert haben die deutschen Kunstturnerinnen bei den Weltmeisterschaften erstmals seit 16 Jahren wieder ihr Olympia-Ticket gelöst. Mit Rang zehn und 231,125 Punkten hielten die WM-Gastgeberinnen dem hohen Druck vor eigenem Publikum stand und waren schon vor dem zehnten und letzten Durchgang nicht mehr vom erforderlichen zwölften Platz zu verdrängen.

Spitze Schreie ertönten von der Teilnehmertribüne in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, die sechs Schützlinge von Cheftrainerin Ulla Koch fielen sich jubelnd und weinend in die Arme. "Peking ist wie ein riesengroßes Geschenk", sagte WM-Neuling und Lokalmatadorin Marie-Sophie Hindermann (Tübingen), die mit einer Weltklasseübung am Stufenbarren die deutsche Riege "zurück in den Wettkampf gebracht hatte", wie Koch lobend festhielt. Die Teamchefin weiter: "Ich hatte Zweifel daran, dass es reicht, aber ich bin eines Besseren belehrt worden."

"Es sieht so aus, als ob wir alles richtig gemacht haben."

Die 7 500 Zuschauer in der ausverkauften Schleyer-Halle witterten schnell die Sensation, als mehrere direkte Kontrahentinnen deutlich unter ihren Möglichkeiten blieben. "Es sieht so aus, als ob wir alles richtig gemacht haben. Es war einer der glücklicheren Tage in meinem Berufsleben", formulierte Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB): "Diese Mannschaft macht richtig Spaß."

Dabei hatten die Routiniers Oksana Chusovitina (Köln) und Katja Abel (Berlin) am Samstag am Doppelreck derbe gepatzt, doch nach weiteren Problemen am Stufenbarren startete das DTB-Sextett eine furiose Aufholjagd, die letztlich mit dem China-Ticket belohnt wurde. Immerhin erreichte Chusovitina das Sprungfinale, Hindermann steht im Endkampf am Stufenbarren und im Mehrkampf, hier gemeinsam mit Anja Brinker (Herkenrath).

Amerikanerinnen unterstreichen Favoritenstellung

Um die Medaillen im Mannschafts-Wettbewerb der Stuttgarter WM werden jedoch andere Mannschaften streiten. Ihre Favoritenstellung unterstrichen die US-Girls, die mit 245,025 Punkten sogar die Titelverteidigerinnen aus China (241,175) und Olympiasieger Rumänien (239,875) distanzierten. Im Team-Finale am Mittwoch stehen auch Russland, Italien, Großbritannien, Frankreich und Brasilien. Für den DTB zahlte es sich damit die zusätzliche Förderung der deutschen Geräteartistinnen mit einer Summe in sechsstelliger Höhe weit eindrucksvoller als erwartet aus. Mit einem kompletten Team hatte sich der DTB zuletzt 1992 in Barcelona für Olympia qualifizieren können, zuletzt scheiterten die deutschen Mädchen vor vier Jahren mit einem Rückstand von 0,004 Punkten an Nordkorea und wurden WM-13.

Chusovitina war damals noch eine Kontrahentin im Team Usbekistans, diesmal sollte die mittlerweile 32 Jahre alte Wahl-Kölnerin ihren neuen Teamkolleginnen helfen. Doch die "Queen Mum" des deutschen Turnens wurde von einer hartnäckigen Verspannung der Rückenmuskulatur geplagt, quälte sich unter Schmerzen über die Geräte und musste am Boden sogar kurzfristig passen. Nur am Sprung bewies die Mutter eines achtjährigen Sohnes alte Klasse und dürfte im Sprung-Finale am Samstag nicht nur eine Nebenrolle spielen.

Der Qualifikations-Wettkampf der Männer beginnt am Montag (10. 00 Uhr), auch er erstreckt sich über zwei Tage. Der deutschen Mannschaft, angeführt von Reck-Europameister Fabian Hambüchen (Niedergirmes) bleiben dabei ähnliche Zitterpartien erspart. Die Truppe von Cheftrainer Andreas Hirsch geht erst im achten und letzten Durchgang am Dienstag (19.00 Uhr) an die Geräte.

© SID

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