Turnen Wettkampf
Purvis gewinnt Champions Trophy - Boy Fünfter

Der Brite Daniel Purvis hat die Champions Trophy der Kunstturner in Stuttgart gewonnen. Eugen Spiridonov wurde als bester Deutscher Vierter, der Cottbuser Philipp Boy Fünfter.

Oh Boy! - eine völlig verkorkste Reckübung hat den turnerischen Höhenflug von Philipp Boy in Stuttgart jäh gestoppt. Der Vize-Weltmeister im Mehrkampf musste das "Königsgerät" gleich zweimal vorzeitig verlassen und turnte bei der lukrativen Champions Trophy quasi in letzter Sekunde an der Siegprämie von 15 000 Schweizer Franken vorbei. Nach drei kräftezehrenden Tagen war der 23-Jährige aus Cottbus am Ende schlichtweg platt.

"Irgendwie hat das Adrenalin ein bisschen gefehlt. Ich bin schon enttäuscht, aber ich bin ja auch keine Maschine", sagte Boy, der seine Fehler nicht auf einen nächtlichen Feueralarm im benachbarten Mannschaftshotel schieben wollte. Um 2.30 Uhr wurde ein Fehlalarm ausgelöst, als Folge fehlte Boy zwei Stunden Schlaf.

Somit endete der lukrative Einladungswettkampf mit einem Start-Ziel-Sieg für Daniel Purvis. Der Brite triumphierte einen Tag nach seinem 20. Geburtstag mit 88,300 Punkten vor Mykola Kuksenkow aus der Ukraine (87,525) und dem russischen Titelverteidiger Maxim Dewiatowski (87,450). Boy (86,550) fiel sogar noch hinter seinen Teamkollegen Eugen Spiridonov aus Bous (86,800) auf Rang fünf zurück.

Medaille in London im Blick

Vor 2000 Zuschauern fiel die Entscheidung am Reck. Statt wie vom Publikum erwartet noch an Purvis vorbeizuziehen, verpatzte Boy seine Kür total. Achselzuckend und verlegen lächelnd genoss er dennoch den Beifall der 2000 Zuschauer. "Das war insgesamt trotzdem ein gelungenes Wochenende nach einer tollen Saison, die für ich ein kleiner Durchbruch war. Aber das alles sind nur Zwischenziele auf dem Weg zu meinem großen Traum. Das ist eine Olympia-Medaille 2012 in London", sagte der Zeitsoldat. Mit dem Bundesliga-Finale um die deutsche Mannschafts-Meisterschaft in zwei Wochen in Berlin geht das Wettkampfjahr für Boy zu Ende.

In welch glänzender Verfassung Boy auch drei Wochen nach WM-Ende grundsätzlich ist, hatte er bereits am Samstag beim DTB-Pokal an gleicher Stelle unter Beweis gestellt. Selbst Ex-Weltmeister Fabian Hambüchen, verletzungsbedingt (Achillessehne) nur als TV-Experte der ARD im Einsatz, musste staunend mitansehen, wie sein Konkurrent hochüberlegen die Konkurrenz am Reck düpierte und auch am Barren mit Rang drei die eigenen Erwartungen übertraf. "Philipp hat am Reck durchgeturnt und eine gute Show gemacht", sagte Hambüchen.

Und da auch weitere Nationalriegenturner wie Sebastian Krimmer aus Backnang, der Straubenhardter Thomas Taranu und Robert Weber (Ehmen) mit guten Finalresultaten aufwarteten, durfte sich neben Boy auch Bundestrainer Andreas Hirsch als Sieger der Tage von Stuttgart fühlen. Denn immerhin fehlten neben Hambüchen fehlten auch noch die beiden Mannschafts-Europameister Fahrig und Marcel Nguyen (Beinbruch).

"Da haben wir erfreulicherweise eine offene Konkurrenz für den nächsten Zeitraum. Das kann unsere Truppe in den kommenden Monaten nur voranbringen", sagte der Chefcoach und machte ein sehr zufriedenes Gesicht. Seine Asse werden in zwei Wochen beim Bundesliga-Endkampf letztmals in diesem Jahr aufeinandertreffen, ehe es in den wohlverdienten Urlaub geht. Boy kassierte von seinem Chef ein Sonderlob: "Für mich ist er unser Gewinner des Jahres."

Nur Seitz belegt Frauen-Turnen

Von einer solchen personellen Auswahl kann Hirschs Kollegin Ulla Koch nur träumen. Zwar enttäuschten ihre Schützlinge während der Tage von Stuttgart nicht, doch auf gleichbleibend hohem internationalen Niveau turnte nur die deutsche Mehrkampf-Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim, die besonders am Boden (Rang drei) das Publikum begeisterte. "Selbst wenn Eli schon ein bisschen müde ist, ist sie immer noch der Motor der Mannschaft. Sie zeigt den anderen, dass man immer noch ein bisschen mehr trainieren kann", sagte die Teamchefin.

2 011 erhält der DTB-Pokal ein neues Gesicht. Wie schon in seinen Anfangsjahren von 1983 bis 1992 werden im Rahmen des Weltcups nur noch Mehrkampf-Titel vergeben. Gerätefinals werden nicht mehr ausgetragen.

© SID

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