Turnen WM
Fabian Hambüchen peilt WM-Gold an

Bei der heute beginnenden WM in Aarhus will Deutschlands prominentester Turner Fabian Hambüchen nach Edelmetall greifen. "Turn-Oma" Oksana Tschussowitina soll bei den Frauen eine Führungsrolle übernehmen.

Den Lotto-Jackpot hat Fabian Hambüchen nicht geknackt, doch seine persönliche Superzahl soll Deutschlands Vorturner bei den am heutigen Samstag beginnenden Weltmeisterschaften in Aarhus erstmals zum Weltmeister machen. Die neue Reck-Kür des letztjährigen Europameisters weist einen Ausgangswert von 6,8 Punkten auf, eine knappes Jahr nach der Einführung des neuen Wertungssystems ein bislang unerreichter Höchstwert. "Wenn ich durchturne, ist Gold möglich", sagte der 18 Jahre alte Gymnasiast über seine neue Übung am "Königsgerät", die beim letzten WM-Test mit herausragenden 16,35 Zählern benotet wurde. Aber der Ausnahmeturner von der TSG Niedergirmes hat auch nach wie vor den Anspruch, als Allrounder unter den Gerätartisten anerkannt zu werden: "Im Mehrkampf will ich unter die Top Ten, am Boden und am Barren das Finale erreichen."

Bundestrainer Andreas Hirsch würde sich über eine Medaille für seinen Vorzeigeschützling freuen, im Mittelpunkt seiner Planungen steht jedoch ein gutes Teamergebnis für die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB: "Fabian gibt unserem Sport ein Gesicht, aber unser Ziel ist auch ein Platz im Mannschaftsfinale". Auch dafür ist die Qualifikation am Wochenende entscheidend, das DTB-Team muss am Sonntag (16.30 Uhr) an die Geräte. Nur die besten acht Riegen gehen dann am Dienstag (19.00 Uhr) erneut an den Start. Um so einen Erfolg zu erzielen, müssen aber auch Hambüchens Teamkollegen an ihre Leistungsgrenzen gehen, Chefcoach Hirsch zweifelt nicht daran. "Es ist herzerfrischend, mit den Jungs zu arbeiten. Marcel Nguyen beispielsweise hat am Barren den Anschluss an die Weltspitze hergestellt", stellt der Berliner fest, DTB-Präsident Reiner Brechtken ergänzt: "Am Seitpferd hat auch Thomas Andergassen eine Finalchance."

Oksana Tschussowitina neue Vorturnerin

Die Führungsrolle, die Hambüchen bei den Männern verkörpert, soll bei den deutschen Turnerinnen erstmals Oksana Tschussowitina einnehmen. Die bereits 31 Jahre alte "Turn-Oma" erhielt in der vergangenen Woche ihren deutschen Pass, vor wenigen Tagen die Freigabe durch den Turnverband Usbekistans. "Vor allem freue ich mich, endlich wieder in einer Mannschaft starten zu können", formuliert die Weltklasseathletin, die schon vor 14 Jahren Mannschafts-Olympiapsiegerin im Team der längst nicht mehr existierenden GUS wurde.

Doch auch als Einzelkämpferin war die Wahl-Kölnerin in den vergangenen Jahren erfolgreicher denn je. Vor drei Jahren holte sie WM-Gold am Sprung, 2005 WM-Silber am gleichen Gerät. Sollte sie in der Nrgi-Arena von Aarhus tatsächlich erneut auf das oberste Treppchen springen, wäre sie die erste deutsche Boden-Weltmeisterin seit der Premiere der Welttitelkämpfe vor 103 Jahren.

Das Mindestziel der deutschen Mädchen, Rang 24 und damit die Qualifikation für die WM 2007 in Stuttgart, ist durch die Einbürgerung Tschussowitinas kein Problem mehr, auch wenn die Berlinerin Katja Abel und seit Donnerstag auch Jenny Brunner aus Chemnitz (linker Ellenbogen ausgekugelt) verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Bundestrainerin Ulla Koch hat bereits ausgerechnet, was die Nominierung Oksanas für ihre Riege wert ist: "Jetzt können wir fünf Punkte mehr turnen."

© SID

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