Turnen WM
Hambüchen freut sich auf "geile Stimmung" bei WM

Das deutsche Sextett möchte bei der heute beginnenden Kunstturn-WM in Stuttgart Platz zwölf und die Qualifikation für Olympia 2008 erreichen. Der 19-jährige Fabian Hambüchen nimmt am Reck die Goldmedaille ins Visier.

Die Kunstturn-WM, die heute in Stuttgart beginnt, ist für Fabian Hambüchen eine Herausforderung, die er kaum noch erwarten kann: "Ich gehe so fit wie noch nie in diese WM." Und noch nie hat sich der 19-Jährige so auf einen Wettkampf gefreut. "Die Stimmung in der Halle wird geil sein, wie bei einem Happening", sagt der Reck-Europameister mit glänzenden Augen.

Und da auch seine Teamkollegen gesundheitlich weitgehend auf der Höhe sind, sollte das deutsche Sextett das Minimalziel Rang zwölf und damit auch die Olympia-Qualifikation für Peking 2008 problemlos erreichen können. Für Deutschlands "Vorturner" allerdings geht es um mehr. Schon bei den letztjährigen Welttitelkämpfen in Aarhus gewann der Ausnahmeathlet von der TSG Niedergirmes Bronze im Mehrkampf, und am Reck wäre eine Goldmedaille für den Hessen alles andere als eine Überraschung.

"Ich habe die schwierigste Übung im Programm. Wenn ich das Finale erreiche, ist alles möglich", glaubt Hambüchen. Bislang holte der deutsche Mehrkampf-Meister am "Königsgerät" bei Welttitelkämpfen noch kein Edelmetall. 2005 in Melbourne kam er auf Rang vier, ein Jahr später in Dänemark verpasste er nach einem Sturz in der Qualifikation den Endkampf.

Am Dienstag wird's ernst

Für Hambüchen und Co. wird es allerdings erst am Dienstag (19.00 Uhr) ernst, die deutschen Turnerinnen hingegen beginnen bereits heute (14.00 Uhr) ihren langen Marsch nach Peking. Trotz des Heimvorteils dürfte es für die WM-Gastgeberinnen im Kampf um Rang zwölf extrem knapp zugehen. Geradezu lächerliche Tausendstelpunkte fehlten vor vier Jahren in Anaheim zur Olympia-Qualifikation, zuletzt ging bei Olympia 1992 in Barcelona eine deutsche Riege an die Geräte.

Doch Cheftrainerin Ulla Koch verbreitet tapfer Zuversicht. "Wir sprechen nicht von der WM, sondern von einem schönen Wettkampf", sagt die Teamchefin und beruhigt ihre Schützlinge, die erst am Sonntagabend wissen, ob ihre Leistungen ausreichend waren. 24 Riegen sind in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Start, die Qualifikation erstreckt sich daher über zwei Tage.

Auf dem Turnpodium soll und muss in erster Linie Oksana Chusovitina Gelassenheit ausstrahlen. Die 32-Jährige, die die Mutter der 17 Jahre jüngeren Chemnitzerin Joeline Möbius sein könnte, möchte nicht als Einzelkämpferin im kommenden Jahr ihre fünften Olympischen Spiele bestreiten. "Die Mädchen sind fleißig, wir schaffen das", prophezeit die gebürtige Usbekin, die am Sprung auch als "Turn-Oma" noch einmal für eine WM-Medaille gut sein könnte.

Breitenwirkung ist von großer Bedeutung

Bei allem Erfolgsstreben ist für Rainer Brechtken, Präsident es Deutschen Turner-Bundes (DTB), auch die Breitenwirkung der vierten Turn-WM auf deutschem Boden von großer Bedeutung. "Die WM bietet auch die einmalige Chance, noch mehr Menschen für Bewegung und einen aktiven Lebensstil zu begeistern", meint der Verbandsboss. Schließlich sind ein Großteil der knapp fünf Mill. DTB-Mitglieder Freizeit-und Hobbysportler.

Um diesen Effekt noch zu verstärken, werden die Medaillengewinner nicht in der Schleyer-Halle, sondern nach olympischem Vorbild auf einer Medal Plaza, dem Stuttgarter Schlossplatz, geehrt. Eingebettet in die Gymwelt, einen Marktplatz rund um Bewegung und Gesundheit. Das prägnante Motto: "Public doing statt Public viewing."

Da soll dann auch die Doping-Problematik die Begeisterung nicht trüben. Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann jedenfalls sieht bei den Gerätartisten weit weniger Brisanz als bei den Radfahrern, die nur drei Wochen später an gleicher Stelle ihre Weltmeister ermitteln. "Die Turn-WM ist eher kein Problemkind. Ich hoffe, dass ausschließlich der Sport im Vordergrund steht", sagte die engagierte Politikerin der FAZ.

© SID

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