Turnen WM
Hambüchen Opfer eines Skandals

Florian Hambüchen könnte seinen WM-Finalplatz am Reck verlieren. Sein Mitkonkurrent Nikolai Krjukow wurde unter skandalösen Umständen nachträglich aufgewertet, wodurch der Deutsche auf den neunten Rang zurückfiel.

Fabian Hambüchen muss um seinen Finalplatz bei den Kunstturn-Weltmeisterschaften in Melbourne bangen. Der Reck-Europameister könnte seinen Finalplatz an seinem Spezialgerät verlieren, weil sein Mitkonkurrent Nikolai Krjukow aus Russland nachträglich aufgewertet wurde und Hambüchen selbst damit vom achten auf den neunten Platz zurückfiel. Der Deutsche Turner-Bund (DTB) legte aus formalen Gründen umgehend Protest bei der Jury d´Appell des Weltverbandes FIG ein, die Entscheidung darüber wird am Mittwoch fallen.

"So kann es ja wohl nicht gehen", sagte DTB-Präsident Rainer Brechtken empört. Krjukows Trainer Alexander Gunkin hatte mündlich Einspruch beim Japaner Sawao Kato, Supervisor am Reck, eingelegt, um eine Erhöhung des Ausgangswerts seines Schützlings von 9,7 auf 10,0 Punkte zu erreichen.

Regelwidrige Aktion

Der Japaner gab diesem Ersuchen statt, ohne auf einen satzungsgemäß vorgeschriebenen schriftlichen Protest zu bestehen, dabei wäre eigentlich Oberkampfrichter Gow Fong Wei erster Ansprechpartner gewesen. Durch diese regelwidrige Aktion sparte die russische Delegationsleitung so ganz nebenbei auch die Einspruchsgebühr in Höhe von 300 Dollar.

Erst Stunden später erfuhr der deutsche Mehrkampf-Meister Hambüchen im Mannschafts-Hotel von den neuen Entwicklungen. Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen gab sich kämpferisch: "Da wurde ein krummer Weg eingeschlagen, der komplett den Statuten widerspricht. Das Makabere ist, dass man solchen Dingen durch neue Regeln eigentlich Einhalt gebieten wollte." Unmittelbar nach dem Wettkampf hatte sich sein Sohn ohne Kenntnis der neuen Lage naturgemäß erleichtert geäußert: "Ich war mit meiner Kür zufrieden, auch wenn sie nicht optimal war."

Kleiner Ausfallschritt kostet Zehntelpunkt

Tatsächlich hätte sich der Olympia-Siebte von Athen eine Nacht mit wenig Schlaf ersparen können, wenn er nicht wie bei Olympia erneut einen kleinen Ausfallschritt nach der Landung hätte machen müssen, der ihn wieder einen Zehntelpunkt Abzug kostete. Auch am Boden lag Hambüchen als Zehnter in Reichweite des Finals, beim Sprung landete er auf dem zwölften Platz.

Sollte der DTB-Einspruch am Mittwoch zurückgewiesen werden, gibt es keine weitere Protestmöglichkeit, Rang neun und damit das vorzeitige WM-Ende wäre für Hambüchen perfekt. DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam skizzierte die drei denkbaren Varianten: "Wenn der Protest abgelehnt werden sollte, bleibt Fabian definitiv Neunter. Sollte er angenommen werden, würde er auf Rang acht zurückkehren. Denkbar wäre als Kompromiss auch ein Finale mit neun statt der üblichen acht Teilnehmer." Angesetzt ist der Endkampf für Sonntag.

Spiridonow als einziger Deutscher sicher im Finale

Seinen Finalplatz sicher hat als einziger deutscher Turner Eugen Spiridonow. Der 23 Jahre alte Sportsoldat aus Bous qualifizierte sich als Elfter weit sicherer als erwartet für die Mehrkampf-Entscheidung am Donnerstag (09.30 Uhr/live bei Eurosport). Fünf Durchgänge absolvierte der gebürtige Russe nahezu fehlerfrei, nur an den Ringen erlaubte sich der Wahl-Saarländer kleine Unsauberkeiten.

Für Matthias Fahrig endeten die Welttitelkämpfe in Australien früh und schmerzhaft. Der ohnehin nur für den Sprung nominierte Hallenser erlitt gleich beim ersten Versuch einen Anriss am rechten Wadenbein, musste somit vorzeitig aufgeben und damit alle Finalhoffnungen fahren lassen. Da nach einer Röntgenuntersuchung im Krankenhaus auch ein Verdacht auf einen Einriss des Syndesmosebandes besteht, droht dem deutschen Sprung-Meister eine vier- bis sechswöchige Zwangspause.

Vorzeitig die Koffer packen können auch der Stuttgarter Thomas Andergassen, Robert Juckel aus Cottbus und Marcel Nguyen (Unterhaching). Dabei überraschte der Sohn eines vietnamesischen Vaters mit Rang 16 und 9,512 Punkten am Barren. Der 18-Jährige, der seinen ersten internationalen Wettkampf bei den Senioren turnte, präsentierte den 4 000 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena sogar eine Weltneuheit, den Tsukahara als Abgang.

Obwohl Bundestrainer Andreas Hirsch von Andergassen und besonders wohl von Juckel mehr erwartet hatte, wollte der Chefcoach über die Leistungen seiner Schützlinge nicht den Stab brechen: "Sie haben sich beide an die Weltklasse herangearbeitet, es aber diesmal nicht umsetzen können."

Die Welttitelkämpfe werden am Mittwoch (00.00 Uhr) mit der Qualifikation der Frauen fortgesetzt. Für den DTB gehen Kim Bui aus Tübingen und die Kölnerin Daria Bijak an die Geräte.

© SID

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