Turnen WM
Hambüchen: Premiere als Teilzeitturner

Als Teilzeitkraft startet Fabian Hambüchen in die Turn-WM in Rotterdam. Wegen Achillessehnenproblemen muss er seinen Schwerpunkt auf das Reck und den Teamwettbewerb legen.

Der Star turnt nur Teilzeit - ein immer noch leicht lädierter Fabian Hambüchen muss bei den am heutigen Samstag beginnenden Kunstturn-Weltmeisterschaften in Rotterdam schweren Herzens auf die "Königsdisziplin" Mehrkampf verzichten. Als amtierender Europameister ist der 22-Jährige im Ahoy-Sportpalast im Sechskampf nur Zuschauer. Probleme an der Achillessehne und eine Verletzung am Sprunggelenk lassen einen Start am Boden und beim Sprung nicht zu.

Hatte der ehemalige Reck-Weltmeister bei den nationalen Titelkämpfen in Berlin noch gehofft, bei der WM an mehr als vier Geräte gehen zu können, musste er sich während des üblichen Trainingslagers in der Sportschule Kienbaum eines Besseren belehren lassen. Wie gravierend die Belastungen für seine Füße gerade am Boden sind, hatte der Hesse bei den letztjährigen Welttitelkämpfen in London schmerzlich erfahren müssen, als er sich beim Podiumstraining schwer verletzte.

"Das Risiko ist mir zu groß, ich habe ja in meiner Karriere noch einige Jahre vor mir", sagt der Olympia-Dritte von Peking, der aber zumindest an seinem Spezialgerät, dem Reck, im Finale kräftig mitmischen will. Auch am Barren hat Hambüchen eine reelle Endkampfchance.

Finale im Teamwettkampf als Ziel

In erster Linie aber ist "Fabi" in der niederländischen Metropole Riegenturner und will die bei der EM im April mit Team-Gold dekorierte deutsche Boygroup zumindest ins Mannschafts-Finale am Donnerstag führen. Ein Ziel, das auch ohne den neuen deutschen Mehrkampf-Meister Marcel Nguyen erreicht werden sollte. Das Leichtgewicht aus Unterhaching erlitt beim Testländerkampf in der Schweiz einen Beinbruch und wird in diesem Jahr nicht mehr an die Geräte gehen können.

Bundestrainer Andreas Hirsch muss also personell ein wenig improvisieren. "Diese Ausfälle erfordern eine neue Zusammenstellung, aber wir kriegen trotzdem eine starke Mannschaft zusammen", glaubt der Chefcoach, der einen dritten Platz für sein Sextett hinter China und Japan - wie schon bei der WM 2007 in Stuttgart - noch nicht abgeschrieben hat.

Von Einzelmedaillen träumen darf neben Hambüchen auch Boden-Europameister Matthias Fahrig, obwohl sich der sprunggewaltige Hallenser noch zu Wochenbeginn mit Zahnschmerzen herumplagen musste. Blessuren am rechten Fuß und am Mittelfinger der linken Hand hat der Halb-Kubaner jedenfalls auskuriert.

Frauen kämpfen um Qualifikation für WM 2011

Was für die männlichen Kollegen eine lächerliche Hürde ist (Rang 24), müssen die deutschen Kunstturnerinnen als Vorgabe weit ernster nehmen. Nur die besten 24 Riegen qualifizieren sich für die WM 2011 in Tokio, wo dann die Olympiatickets vergeben werden. Für die stark ersatzgeschwächte Truppe von Bundestrainerin Ulla Koch durchaus eine ernstzunehmende Herausforderung.

"Wir müssen das Beste aus der Situation machen", äußert Koch, die in der deutschen Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim nur eine einzige respektable Mehrkämpferin im Team hat und heilfroh sein muss, dass "Turn-Oma" Oksana Chusovitina auch mit 35 Jahren noch eine zuverlässige Punktesammlerin beim Sprung und am Schwebebalken ist.

Nicht unfroh war man daher beim Deutschen Turner-Bund, als Mitkonkurrent Nordkorea am Donnerstag endgültig die WM-Teilnahme verwehrt wurde. Die Disziplinarkommission des Weltverbandes FIG bestätigte den Ausschluss der Asiaten wegen einer mehrfachen Altersmanipulation bei einer Athletin.

© SID

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