Turnen WM
Hambüchen und Co. holen WM-Bronze

Fabian Hambüchen und Co. haben das "Wunder von Stuttgart" vollbracht und die Schleyer-Halle in einen Begeisterungstaumel versetzt. Beim Mannschaftsfinale der Kunstturn-WM holten die deutschen Turner die Bronzemedaille.

Die deutschen Kunstturner um Fabian Hambüchen haben im Mannschaftsfinale der Weltmeisterschaften in Stuttgart überraschend die Bronzemedaille gewonnen. Hambüchen hatte es als erster realisiert. Mit einem Urschrei nach seiner Bodenübung besiegelte der Reck-Europameister das bronzene "Wunder von Stuttgart" und kündigte voller Euphorie an: "Am Sonntag am Reck lasse ich es noch einmal richtig krachen." Nach einer 16 Jahre währenden Durststrecke machte die Riege des Deutschen Turner-Bundes die Sensation perfekt und wiederholte den dritten Platz (273,525) aus dem Qualifikations-Wettkampf.

"Der absolute Wahnsinn"

Nach seinem Freudenausbruch ging der 19-Jährige aus Niedergirmes in einem Menschenknäuel aus Turnern, Trainern und Funktionären förmlich unter. Es wurden Schultern geklopft und es flossen bei den ansonsten so harten Athleten sogar einige Tränen. "Ich habe es mir zwar im Innersten gewünscht, aber in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. 17 von 18 Übungen waren gelungen, das ist der absolute Wahnsinn", sprudelte es förmlich aus Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB), heraus.

Hambüchen bedankte sich ganz ausdrücklich bei seinem Teamkollegen Thomas Andergassen: "Er war unser Motivator." Der Stuttgarter Lokalmatador, der nur an den ersten beiden Geräten eingesetzt wurde, trieb die Mannschaft immer wieder nach vorne, obwohl ihm das Zugucken unendlich schwer fiel: "Ich hätte lieber weiter mitgeturnt."

Quasi zur Untermalung des fröhlichen Schauspiels in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle wurde die DTB-Riege vom Publikum mit "Deutschland, Deutschland"-Rufen und zahllosen geschwenkten schwarz-rot-goldenen Fahnen gefeiert. Und noch eine halbe Stunde nach dem Wettkampf forderten die überwiegend weiblichen Fans: "Wir wollen die Mannschaft sehen."

Denkwürdiger Moment auf dem Schlossplatz

Am Abend sollte sich die Begeisterung um die Bronzemedaillengewinner noch einmal steigern, als die offizielle Übergabe der Plaketten auf dem Schlossplatz noch einmal zu einem denkwürdigen Moment für die deutschen Geräteartisten wurde. Mehrere Tausend Besucher verbreiteten dabei in der Stuttgarter Innenstadt wahre Volksfestatmosphäre. Auch bei DTB-Präsident Rainer Brechtken, der nun auf zusätzliche finanzielle Mittel für die Olympia-Vorbereitungen hofft: "Verdient wäre es allemal."

Während der Erfolg des deutschen Sextetts einer Sensation gleichkam, gab es an einer erfolgreichen Titelverteidigung Chinas nie einen Zweifel. Die Vorjahressieger aus dem Reich der Mitte waren der gesamten Konkurrenz weit überlegen und setzten sich mit 281,900 Punkten souverän vor Olympiasieger Japan (277,025). In dieser Verfassung erscheint der alte und neue Champion beim olympischen Heimspiel im kommenden Jahr nahezu unschlagbar.

Die WM-Gastgeber brachten 6 000 enthusiastische Fans mit de ersten Mannschafts-Bronze seit 16 Jahren fast schon zur Raserei. Wie schon bei der Ausscheidung zu Wochenbeginn, bei der quasi nebenbei mühelos die Olympia-Tickets für Peking 2008 gebucht wurden, blieben die deutschen Turnier vier Geräte lang sturzfrei. Erst am Reck hatte der deutsche Vize-Meister Philipp Boy aus Cottbus einen Fehler, als er seinen Abgang mit den Händen abstützen musste.

Doch selbst zu diesem Zeitpunkt war ein Medaillengewinn noch in Reichweite, nachdem Hambüchen am "Königsgerät" mit beeindruckender Sicherheit 16,125 Punkte und damit die Höchstnote an diesem Gerät hingelegt hatte. Am Boden fiel letztlich die Entscheidung. Während die Deutschen erneut sturzfrei blieben, patzte der direkte Konkurrent Russland am Seitpferd und fiel noch bis auf den siebten Platz zurück.

"Am Ende hatte ich ein wenig Angst, dass meine Jungs bei der allgemeinen Begeisterung ein bisschen zu viel wollen und am Boden überziehen. Aber sie sind diszipliniert geblieben und nun ist ein Tagtraum Wirklichkeit geworden", sagte Chefcoach Andreas Hirsch, der schweißgebadet, aber mit einem seligen Lächeln die nicht mehr zu zählenden Glückwünsche entgegennahm.

Hambüchen und Boy bleibt nicht viel Zeit zum Feiern, denn sie müssen bereits am Freitag (14.00) im Mehrkampf-Finale erneut an die Geräte. Vier Stunden später werden auch im Mehrkampf der Frauen die Medaillen vergeben. Für diese Entscheidung haben sich unter anderem Anja Brinker aus Herkenrath sowie die Tübingerin Marie-Sophie Hindermann qualifiziert.

© SID

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