Turnen WM
Nguyen enttäuscht, Fahrig rettet Bilanz

Marcel Nguyen hat zum Auftakt der Turm-WM in London die Erwartungen nicht erfüllen können. Matthias Fahrig dagegen qualifizierte sich für die Gerätefinals.

Mit einer spektakulären mitternächtlichen Flugshow hat Matthias Fahrig nach dem Ausfall von Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen die deutsche Turnehre gerettet. Bei den Weltmeisterschaften in London qualifizierte sich der Hallenser sowohl am Boden als auch beim Sprung für die Gerätefinals am Wochenende und heiterte damit die Mienen seiner Teamkollegen am Ende eines langen Tages doch noch auf.

Denn Marcel Nguyen hatte Reck-Weltmeister Hambüchen im Mehrkampf nicht ersetzen können. Unter den Augen des Europameisters, der sich am Abschlusstraining am Sonntag einen Bänderriss im linken Fuß zugezogen hatte, kam der 22-Jährige vom TSV Unterhaching im Qualifikations-Wettkampf bei weitem nicht an die vom Hambüchen gewohnten Punktzahlen jenseits der 90 Zähler heran.

Groß war die Enttäuschung auch bei Philipp Boy aus Cottbus, der sich Hoffnungen auf das Finale am Reck gemacht hatte und den lädierten Hambüchen dort vertreten wollte. Nach einer soliden Übung kam der 22-Jährige beim Abgang zu Fall, für ihn war diese WM damit schon nach einer einzigen Kür beendet. "Ich hätte einfach lockerer rangehen müssen. Am Ende war ich völlig k.o., ich weiß nicht warum", rätselte der deutsche Boden-Meister.

"Irgendwie bin ich nicht richtig in den Wettkampf gekommen"

Nguyen sicherte sich mit 84,900 Punkten wenigstens einen Platz in der Mehrkampf-Entscheidung am Donnerstag (19.30 Uhr/Mesz). "Irgendwie bin ich nicht richtig in den Wettkampf gekommen", sagte Nguyen dennoch sichtlich niedergeschlagen, als er die mit nur 2000 Besuchern gefüllte Londoner Olympia-Arena verließ.

Der deutsche Vize-Meister begann seinen Durchgang schon mit einem Sturz beim Sprung (Roche), musste später auch das Seitpferd vorzeitig verlassen und leistete sich am Barren einen Zwischenschwung, der Punkte kostete.

Auch Bundestrainer Andreas Hirsch war mit dem von ihm besonders geschätzten Athleten nicht so recht zufrieden: "Marcel konnte seine Trainingsleistung nicht bringen. Man hat gesehen, dass er noch Reserven hat." Gleiches galt für Thomas Taranu aus Straubenhardt, der an den Ringen seinen Abgang nicht stehen konnte.

"Mit einem dereart missglückten Sprung konnte man nicht rechnen"

An Spekulationen, ob Nguyen mit der ihm durch den Hambüchen-Unfall urplötzlich zugefallene Führungsrolle psychisch überfordert gewesen sei, wollte sich der Chefcoach allerdings nicht beteiligen. "Natürlich konnte man mit einem derart missglückten Sprung von Marcel nicht unbedingt rechnen. Ich kann aber nicht sagen, dass es da einen Zusammenhang gibt", erklärte Hirsch.

Ein weitgehend gelungenes Debüt bei Welttitelkämpfen durfte hingegen Sebastian Krimmer feiern. Der 19 Jahre alte Schüler aus Backnang, im vergangenen Jahr mit Mannschafts-Bronze bei der Junioren-EM in Lausanne dekoriert, schnupperte an zwei Geräten erstmals WM-Luft und lag sowohl am Seitpferd trotz eines kleinen Abgangfehlers mit 14,125 Punkten als auch am Barren mit 14,600 Zählern vor seinem Teamkollegen Nguyen.

Die Spitzenposition im Vorkampf erklomm der Olympiazweite Kohei Uchimura aus Japan (90,925) vor Ex-Europameister Maxim Dewijatowski aus Russland (89,350) und dem US-Amerikaner Timothy Mcneill (88,775). Die Welttitelkämpfe werden am Mittwoch (11.00 Uhr/Mesz) mit dem Qualifikations-Wettkampf der Frauen fortgesetzt.

© SID

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