Turnen WM
Tomita erturnt historischen WM-Sieg

Hiroyuki Tomita hat 31 Jahre nach dem letzten Gewinn einer Mehrkampf-WM im Turnen erstmals den Titel wieder nach Japan geholt. Bester Deutscher in Melbourne war Eugen Spiridonow als Zehnter.

Eine kleine Ewigkeit mussten die Japaner warten, bis endlich wieder ein Landsmann den Weltmeisterschaftstitel im Mehrkampf erobern konnte. Hiroyuki Tomita holte 31 Jahre nach dem letzten Triumph in der Königsdisziplin der Turner durch seinen Landsmann Shigeru Kasamatsu 1974 in Varna den Titel in die Heimat. Der 25 Jahre alte Student gewann bei den Weltmeisterschaften in Melbourne vor 6 000 Zuschauern den Mehrkampf mit 56,698 Punkten.

Den Triumph für den Mannschafts-Olympiasieger von Athen 2004 komplettierte Tomitas Landsmann Hisashi Mizutori, der mit 55,349 Zählern die Silbermedaille gewann. Rang drei ging an den Weißrussen Denis Sawenkow (55,112). Einen soliden zehnten Platz belegte Eugen Spiridonow aus Bous. Der Wahl-Saarländer erturnte insgesamt 53,361 Punkte und legte damit die beste deutsche Mehrkampf-Platzierung bei Welttitelkämpfen seit zehn Jahren hin.

Tomita startet furiose Aufholjagd

Tomita, schon in der Qualifikation der überragende Athlet, startete zwar schwach am Boden und lag nach dem ersten Durchgang nur auf dem zehnten Platz, übernahm aber nach einer furiosen Aufholjagd, "zur Halbzeit" nach Runde drei erstmals die Führung und gab sie bis zum Ende des Wettkampfs nicht mehr ab. Immer wieder ging ein Raunen durch die Rod-Laver-Arena, wenn der Olympia-Sechste von Athen seine Übungen, die sämtlich über 9,0 Punkten lagen, geradezu zelebrierte.

Im Schatten der Medaillengewinner lieferte Spiridonow einen der wohl besten Mehrkämpfe seines Lebens ab. Der gebürtige Russe kam ohne einen einzigen Sturz durch seine sechs Übungen und hielt sich bis in den vierten Durchgang hinein auf dem sechsten Platz. Danach allerdings fehlte es dem EM-Neunten an Höchstschwierigkeiten, um noch weiter nach vorne vorstoßen zu können.

"Habe meine Ziele diesmal erreicht"

"Ich habe meine Ziele diesmal erreicht und fahre mit einem guten Gefühl nach Hause. Nächstes Jahr möchte ich bei der WM schon an die Medaillen ran", sagte der deutsche Vizemeister beim Sprung und am Seitpferd mit einem schüchternen Lächeln im Gesicht. Auch mit seiner Punktzahl war Spiridonow völlig einverstanden: "Mehr ging diesmal noch nicht, aber wir werden hart weiterarbeiten."

Cheftrainer Andreas Hirsch fühlte sich durch das Abschneiden seines Schützlings in seiner Taktik bestätigt: "Wo andere die Nerven verloren haben, ist Eugen ganz ruhig geblieben und hat die schwere Aufgabe an seinem Startgerät Seitpferd gut gelöst." Einige neue Elemente seien leider bis zur WM nicht mehr wettbewerbsreif geworden, deshalb habe man die Übungen zum Teil reduzieren müssen, "denn eine Weltmeisterschaft ist bekanntlich nicht zum Üben da".

Der Blondschopf lag dennoch deutlich vor einem weit renommierteren Athleten wie dem US-Champion Todd Thornton, der nur 20. wurde. Hirsch hatte Spiridonow als einzigen deutschen Turner für den Mehrkampf gemeldet, seine Teamkollegen, angeführt von Reck-Europameister Fabian Hambüchen aus Niedergirmes, sollten sich hingegen ganz auf ihre Spezialgeräte konzentrieren. Die Welttitelkämpfe werden am Freitag (09.30 Uhr MEZ) mit der Mehrkampf-Entscheidung der Frauen fortgesetzt. Einzige deutsche Starterin ist die deutsche Meisterin Daria Bijak aus Köln.

© SID

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