TV-Rechte
RTL nimmt Auszeit beim Handball

Der Kölner TV-Sender will als Konsequenz aus den jüngsten Handball-Skandalen kein Angebot für die Übertragungsrechte des ab 2010 geplante Final-Four-Turniers der Champions League abgeben. Der Ausstieg aus dem Bieterkreis dürfte für die die Europäische Handball-Föderation wirtschaftliche Folgen haben.

HAMBURG. Noch sind einige Handballfunktionäre bemüht, den schönen Schein zu wahren, den es doch nicht mehr gibt. Trotz der Welle der Schiedsrichterskandale, die diesen Sport in die vielleicht größte Krise seiner Geschichte gestürzt haben, vermittelte die Europäische Handball-Föderation (EHF) noch vor ein paar Tagen den Eindruck, als habe die aktuelle Lage keinerlei wirtschaftliche Konsequenzen.

Man rechne nicht damit, dass Sponsoren nun auf Distanz zum Handball gingen, "weil wir lückenlose Aufklärung betreiben werden", erklärte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer noch am Freitag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Dabei hatte der europäische Dachverband, der im Zentrum der Kritik steht, bereits zu diesem Zeitpunkt eine Absage erhalten, die sicher schmerzt. Nach Informationen des Handelsblatts wird der Kölner Privatsender RTL nun doch kein Angebot für das geplante Final-Four-Turnier der Champions League abgeben, wie es ursprünglich geplant war. Das bestätigte der Sender nun. "Natürlich hängt das auch mit den aktuellen Skandalen zusammen", berichtet ein Brancheninsider.

Schon während der Handball-WM im Januar, als umstrittene Schiedsrichterentscheidungen die Schlagzeilen beherrschten, hatte sich RTL-Sportchef Manfred Loppe entsetzt gezeigt. "Wenn man das als jemand, der das bislang von Außen betrachtet hat, zum ersten Mal sieht, dann ist man ziemlich erschüttert, und das ist noch milde ausgedrückt", sagte Loppe damals gegenüber dem Handelsblatt. "Wir wollen Glaubwürdigkeit." So bleiben der EHF mit Eurosport und dem Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) nur noch zwei Bieter für den wichtigen deutschen Markt, was die TV-Rechte deutlich verbilligen dürfte.

Auch die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) muss sich zwangsläufig mit den Bestechungs-Vorwürfen auseinandersetzen, selbst wenn bislang lediglich die europäischen Wettbewerbe unter Verdacht stehen. "Es gibt keinen konkreten Verdacht für die Bundesliga", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, "aber trotzdem müssen wir schleunigst die richtigen Lehren aus den letzten Wochen ziehen".

Die Lage ist deshalb so prekär, weil Sponsoren gar auf den Gedanken kommen könnten, ihre Verträge fristlos zu kündigen. "Natürlich sind die Partner irritiert", räumte Bohmann unumwunden ein.

Dass die Sponsoren dennoch nicht abspringen, liegt auch am vorbildlichen Krisenmanagement der Liga. "Ich informiere die Partner über die Maßnahmen, mit denen wir uns beschäftigen", sagte Bohmann. "Ein ganzer Blumenstrauß von Vorschlägen" werde derzeit diskutiert. Dazu gehört eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen, die den Wettmarkt beobachten. "Die Partner müssen erkennen, dass wir die richtigen Dinge unternehmen", sagte Bohmann.

Seite 1:

RTL nimmt Auszeit beim Handball

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%