TV- und Werbeverträge
Sportverbände verschärfen Rennen um Quote

Kampf um Aufmerksamkeit: Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, fordert neue Regeln bei seinem Sport. Sie sollen für mehr Spannung sorgen, zuätzliche Zuschauer anlocken und so die Chancen auf lukrative TV- und Werbeverträge erhöhen. Handball und Biathlon haben bereits gezeigt, wie einschneidend bereits kleine Regelreformen die mediale Attraktivität eines Sports verändern können.

KÖLN. Nach dem neuem Reglement könnten Fehlstarts künftig zur sofortigen Disqualifikation führen. Eine weitere Idee: Beim Mehrkampf starten die Athleten im Abschlusslauf nicht mehr gemeinsam, sondern nacheinander. Der Abstand auf der Laufbahn spiegelt den Punktestand. Das soll für dramatische Duelle sorgen – denn wer als Erster das Ziel erreicht, ist auch Gesamtsieger.

Über 100 Vorschläge für Regeländerungen stehen beim nächsten Treffen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF im August kurz vor der Weltmeisterschaft in Berlin auf der Agenda. Schon jetzt gilt es, die Funktionäre einzuschwören. Denn Prokop weiß, wie schwer Änderungen des Regelwerks durchzusetzen sind. „Beim letzten Kongress im April wurden die Vorschläge noch grandios abgelehnt“, sagt er. Doch der verschärfte Wettbewerb um TV-Präsenz könnte für mehr Reformwillen sorgen.

Simpler, schneller, spannender: Viele Sportverbände zielen mit Regeländerungen auf eine bessere Fernseh-Vermarktung. Neben den Erlösen aus dem Rechteverkauf erhöhen gute Einschaltquoten auch die Chance auf finanzkräftige Sponsoren. „Regeländerungen sind zwar kein Garant für den Erfolg“, sagt Gerhard Vowe, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Düsseldorf. „Aber ohne Reformen haben viele Sportarten überhaupt keine Chance.“

„Wir müssen alles dafür tun, dass die Leichtathletik attraktiver wird“, fordert DLV-Chef-Prokop. Immerhin konnten sich die Leichtathleten bereits darauf einigen, dass die Finals binnen weniger Stunden zur besten Sendezeit am Abend ausgetragen werden. Die weniger interessanten Qualifikationen und Zwischenläufe dagegen starten künftig am Vormittag. Mit dem neuen Konzept wollen die Leichtathletik-Macher der Konkurrenz enteilen.

„Unter den Sportarten tobt ein Kampf um Aufmerksamkeit“, sagt Robin Kähler, Direktor für Sport und Sportwissenschaften an der Universität Kiel. Viele Disziplinen seien für Zuschauer unattraktiv und langweilig – noch. Denn inzwischen gibt es kaum einen Verband, der nicht versucht, seine Sportart durch Regeländerungen aus dem medialen Dornröschenschlaf zu erwecken.

Volleyball etwa hatte lange Zeit das Problem, dass sich die Sätze teilweise ewig hinzogen. Bevor eine Mannschaft einen Punkt erzielen konnte, musste sie das Aufschlagsrecht erobern. Mitunter verstrichen Minuten, ohne dass sich der Spielstand änderte. Das langweilte viele Zuschauer. Auch um den Sendern entgegenzukommen, änderten die Volleyballer ihre Regeln: Seit acht Jahren wird jeder erfolgreiche Spielzug mit einem Punkt belohnt.

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