TV-Vertrag
Biathlon-Verband streitet mit RTL

Die Internationale Biathlon-Union möchte ihren TV-Vertrag mit den Öffentlich-Rechtlichen verlängern - und handelt sich damit den Ärger von RTL ein. Der Kölner Privatsender erhielt zuletzt eine Absage, obwohl er ein lukrativeres Angebot vorgelegt hatte. Nun droht RTL mit einer Kartellklage.
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HB/WILLINGEN. Zwischen dem Fernsehsender RTL und der Internationalen Biathlon-Union (IBU) tobt ein Streit um die geplante Vergabe der TV-Rechte für die kommenden vier Jahre an die European Broadcasting Union (EBU). Die IBU hatte sich im Frühjahr auf eine Fortsetzung der Partnerschaft mit der EBU festgelegt, zu der die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sowie Eurosport gehören. Dabei hatte der Verband das finanziell bessere Angebot des Kölner Privatsenders ausgeschlagen. „RTL als schlechter Verlierer traktiert uns seit Wochen mit Anwälten und versucht, den Vertragsabschluss zu verhindern“, sagte IBU-Vizepräsident Alfons Hörmann.

Weil der Weltverband die TV-Rechte nicht öffentlich ausgeschrieben hatte, mache RTL unter anderem kartellrechtliche Einwände geltend, teilte die IBU gestern mit. Zudem beanstande der Sender den zeitlichen Ablauf. „Derzeit sind die Rechtsanwälte damit beschäftigt. Es gibt Gutachten und Gegengutachten“, sagte Hörmann.

Bereits 2007 war der Abschluss eines TV-Vertrags zwischen dem Deutschen Skiverband (DSV) und der Agentur Infront ins Wanken geraten, nachdem der langjährige Partner RTL von seinem „Matching Offer Right“ Gebrauch gemacht hatte. Dabei beharrte der Privatsender auf der Möglichkeit, den Infront-Vertrag einzusehen und gegebenenfalls zu überbieten. Der DSV entging nur knapp einem finanziellen Desaster. Der Verband konnte den Vertrag mit RTL kurz vor Saisonbeginn doch noch auflösen, ARD und ZDF erwarben die nationalen TV-Rechte.

Durch den laut Hörmann unterschriftsreifen Fernsehvertrag mit der EBU für die Jahre 2010 bis 2014 würde die IBU ihre Einnahmen gegenüber dem alten Kontrakt um 60 Prozent steigern. „Es geht um unsere Basis für die nächsten vier Jahre. Der TV-Vertrag hat existenzielle Bedeutung für uns“, sagte Hörmann.

Unterdessen sorgt sich die IBU auch um die Vorbereitungen der Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi. Die Organisatoren geraten zunehmend in Zeitverzug. So hat der Bau eines kombinierten Biathlon- und Langlauf-Stadions noch nicht begonnen. Nach der Vergabe der Spiele war klargeworden, dass für die in den Bewerbungsunterlagen vorgesehene Sportstätte der Platz nicht ausreichen würde. Die Verhandlungen über ein alternatives Grundstück zogen sich in die Länge. IBU-Renndirektor Franz Berger erklärte, erst im August sei es zu einer Einigung mit den Grundstücksbesitzern gekommen. Nun soll ein Biathlon-Stadion entstehen, das nach den Winterspielen auch die Langläufer nutzen können. Das angrenzende Langlauf-Stadion wird nach den Winterspielen wieder abgebaut.

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