Über Umwege nach Turin
Der Traum von Olympia

Acht Jahre und ein kleines Vermögen hat der Iraker Faisal Faisal in seinen Traum investiert, sein Land zum ersten Mal bei den Olympischen Winterspielen zu vertreten.

BERLIN. Nach Versuchen im Skifahren, Snowboarden, Eisschnelllauf und Skispringen, scheiterte der 25-Jährige zuletzt im Skeleton-Rennrodeln bei der Qualifikation im bayerischen Königssee für die bevorstehenden Spiele in Turin. Nun setzt er all seine Hoffnungen darin, mit einer Sondererlaubnis doch noch in Turin antreten zu dürfen.

Seinen Entschluss, für die Winterspiele zu trainieren, fällte Faisal vor dem Fernseher in Sydney, wo er seit acht Jahren Wirtschaftswissenschaften studiert. Es lief die Übertragung der Eröffnungszeremonie der Spiele in Nagano im Winter 1998. "Ich habe darauf gewartet, dass das irakische Team einlaufen würde", erzählt er. "Ich konnte nicht glauben, dass da keiner aus dem Irak war. Da habe ich mir mein Ziel gesetzt: Irak muss an den Olympischen Spielen teilnehmen."

Faisal probierte sich zuerst im Skifahren. "Jeden freien Tag habe ich genutzt, um zu trainieren." Dafür pendelte er zwischen Sydney und einem sieben Stunden entfernten Skigebiet. Fortschritte wollten sich aber nicht einstellen und Faisal wechselte zum Snowboarden. Dort blieben die Erfolge auch aus, Faisal machte eine nächste Station beim Skispringen. Als ihm ein Verband "Lächerlichkeit" bescheinigte, gab der Iraker auf und probierte sich im Eisschnelllauf - was scheiterte, weil der Internationale Eislaufverband ihn nicht als Eisläufer anerkannte. Die Begründung: Es gab keine Eislaufbahn im Irak. "Man sagte mir, es müsse seit mindestens fünf Jahren eine Eislaufhalle im Irak geben", erzählt Faisal.

Schließlich entdeckte Faisal sein Talent in der rasanten Rodel-Disziplin Skeleton. "Vor allem die Geschwindigkeit hat mich gereizt", sagt er. "Ich glaube nur nicht, dass ich mich jemals an die Kälte gewöhnen werde."

Seine Eltern in Bagdad haben ihn dabei gleich unterstützt, obwohl Faisals Vater, ein Bauingenieur, noch nie etwas von Skeleton gehört hatte. Heute gibt der ehemalige irakische Leichtathletik-Meister seinem Sohn regelmäßig Trainingstipps.

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