Übernahme von Produktionskosten ist schon seit den Neunzigerjahren gängige Praxis
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Der ARD-Skandal macht deutlich: Immer mehr Randsportarten bezahlen die TV-Anstalten, um ins Fernsehen zu kommen.

BERLIN. Hans-Ludwig Grüschow wusste nichts von dem Hallenfußballturnier in Halle. Als dort im Januar 2004 die zweite Mannschaft des Halleschen Fußballklubs gegen den tschechischen Zweitligisten FK Pardubice um den Techem-Cup spielte, hatte der Vorsitzende der Deutschen Sporthilfe Wichtigeres vor. „Mit dem Turnier habe ich so viel zu tun wie eine Kuh mit Schlittschuhlaufen“, sagte Grüschow am Montag dem Tagesspiegel. Dass er sich überhaupt dazu l äußern muss, liegt an der Debatte um die Moral im Sportjournalismus.

Grüschow hatte als Vorstandschef der Techem AG, einem Heizungstechnik-Unternehmen, 1997 einen Kooperationsvertrag mit dem Sportreporter Wilfried Mohren zu verantworten. Der inzwischen suspendierte Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) sitzt in Haft – ihm wird Korruption vorgeworfen. „Er hat für Moderationen insgesamt etwa 100 000 Euro bekommen“, sagt Techem-Sprecher Stefan Lutz. Der Vertrag mit Mohren ist gekündigt, und Grüschow ist längst nicht mehr bei Techem aktiv. Er sagt: „Der Vertrag mit Herrn Mohren ist rechtlich einwandfrei.“

Immer mehr drängt sich die Frage auf: Unter welchen Rahmenbedingungen versuchen Manager und Akteure, Sportereignisse im Fernsehen zu platzieren? Das unbedeutende Endspiel in Halle wurde vom MDR übertragen. Aus Ermittlerkreisen in Frankfurt am Main berichtet „Der Spiegel“, es habe sich um eine Art Gegengeschäft für die Techem AG gehandelt, die Hauptsponsor des Turniers war. „Auf die Übertragungen haben wir keinen Einfluss genommen“, sagt Techem-Sprecher Lutz und verweist auf den Ausrichter, die Agentur „Top Sport“ in Queis. „Wir haben den MDR und andere Medien angefragt, ob sie über das Turnier berichten wollen“, sagt Frank Mappes, der Geschäftsführer von „Top Sport“. Nach dem Turnier sei er vom MDR aufgefordert worden, dafür zu sorgen, dass es beim nächsten Mal zu einer höherklassigen Begegnung kommen solle. „Die haben mir gesagt, sie wollten kein Vabanquespiel mit zweiten Mannschaften mehr.“

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