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Uefa-Debatte über härtere Strafen - „Erziehung“

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) droht mit härteren Sanktionen und empfindlichen Strafen, falls erzieherische Maßnahmen in der Fußball-Familie nicht fruchten.

dpa MANCHESTER. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) droht mit härteren Sanktionen und empfindlichen Strafen, falls erzieherische Maßnahmen in der Fußball-Familie nicht fruchten.

Bei der Sitzung des Uefa-Exekutivkomitees in Manchester standen vor allem Sicherheitsfragen, der Umgang mit den Schiedsrichtern und "ungebührliches Betragen" von Funktionären, Trainern, Spielern und Fans auf der Tagesordnung. Angestoßen wurde eine Richtungsdebatte in den nationalen Verbänden, Vereinen und Gremien.

"Wir hatten eine strategische Diskussion über härtere Strafen vor allem in Bezug auf das Verhalten auf und neben dem Spielfeld. Es gibt sehr unglückliche Entwicklungen in dieser Hinsicht. Die Frage ist, ob die geltenden Maßnahmen ausreichen", sagte Uefa-Generalsekretär Lars-Christer Olsson nach der Sitzung am Rande der Frauen-EM in England. Beschlüsse über härtere Strafen wie Punktabzug, Platzsperren oder Ausschlüsse wurden bei dem zweitägigen Treffen in Manchester nicht gefasst. In der Saison 2005/2 006 gilt der Strafenkatalog unverändert.

Einigkeit herrscht im wichtigsten Uefa-Gremium, dass die vor vielen Jahren festgelegten Geldstrafen nicht zeitgemäß und zu niedrig seien. "Der Wert von Geldstrafen sinkt. Oft entsprechen sie nur einem Teil des Wochengehalts eines Spielers", sagte Olsson. Man müsse aber "vorsichtig vorgehen. Es geht nicht darum, alle Entscheidungen an den Grünen Tisch zu verlagern." Das Uefa-Konzept sieht vor, Diskussionen mit allen Beteiligten zu führen. Olssen nennt dies eine "Kampagne der Erziehung". Man werde in die Offensive gehen und bereits im September ein Treffen mit allen Trainern der Champions-League-Clubs haben.

Klar ist, dass die Uefa "Ausraster" wie den von Chelsea-Coach José Mourinho nicht mehr dulden wird. "Wir werden Funktionäre und Trainer an ihre Pflichten und Verantwortung erinnern. Ich bin optimistisch, dass Erziehung Wirkung zeigen kann, nicht nur Bestrafung", so Olsson. Auch der Rückzug des schwedischen Referees Anders Frisk, der nach Morddrohungen in diesem Jahr entnervt das Handtuch warf, dürfte bei der neu angestoßenen Diskussion eine Rolle spielen. Die Spielleiter sollen stärker geschützt, ihre Autorität dürfe nicht mehr untergraben werden. Olsson: "Spieler und Trainer haben eine Vorbildfunktion. Ihr Fehlverhalten überträgt sich auf die Fans auf den Tribünen." Sollte das von der Uefa erhoffte Umdenken bei allen Beteiligten ausbleiben, dürfte der Strafenkatalog zur Saison 2006/2 007 verschärft werden.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder betonte die Bedeutung der Sicherheitsaspekte, auch im Hinblick auf die WM 2006. "In Uefa und Fifa werden Sicherheitsfragen sehr intensiv diskutiert. Die Polizei ist sicher nicht der Auslöser der Gewalt", stellte "MV" klar. Mit Grauen erinnert er sich an die Ausschreitungen in Skopje beim Spiel der DFB-Elf gegen Slowenien im März. "Das war schlimm. Ich hatte so etwas aus nächster Nähe noch nie erlebt. Man muss unbedingt an die Fans appellieren. Und ich finde es richtig, wenn unsere Nationalelf die Kampagne ,Unsere Fans schlagen sich nicht' startet."

Zwei Beschlüsse wurden gefasst. Die U-21-Europameisterschaften finden von 2007 an immer in ungeraden Jahren statt. "Die U 21-EM soll ähnlich wie bei Confed-Cup und WM ein Testlauf für die EM der Senioren im Jahr darauf sein", erläuterte "MV". Auf Wunsch der Clubs werden die TV-Rechte der Uefa-Cup-Spiele künftig vom Viertelfinale an zentral von der Uefa vermarktet. Diese Regelung, von der sich die Clubs mehr Einnahmen versprechen, gilt von der Saison 2006/2 007 an.

Nach der Pressekonferenz im Manchester-City-Stadion sorgten rund 20 Fans von Manchester United für Aufregung. Sie marschierten in den Raum und demonstrierten friedlich gegen die Übernahme ihres Clubs durch den US-Milliardär Malcolm Glazer. Die Uefa-Verantwortlichen ließen sich auf keine Diskussion ein und traten sofort den "geordneten Rückzug" an. Ausschreitungen blieben aus.

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