Uhrmann nach Platz vier untröstlich
Ein Frust-Bier gegen die Enttäuschung

Auch Stunden nach der um 0,5 Punkte verpassten Bronzemedaille beim Springen von der Normalschanze haderte der Bayer mit seinem sportlichen Schicksal.

HB TURIN. Als Studiogast bei Late-Night-Talker Harald Schmidt fand Michael Uhrmann für kurze Zeit sein Lachen wieder, doch nach dem Verlöschen der Scheinwerfer wirkte sein Blick traurig und leer. "Das sitzt ganz tief und ist nicht so einfach zu verarbeiten", gestand Uhrmann. Bis weit nach Mitternacht genehmigte sich der Pechvogel mit seinen Teamkollegen im "Kufenstüberl" einige Frust-Biere. "Natürlich ist kurzzeitig eine Enttäuschung da. Wir dürfen aber keine Trauerstimmung aufkommen lassen und werden ihn wieder aufbauen. Die verlorene Bronzemedaille muss schnell raus aus dem Kopf", sagte Bundestrainer Peter Rohwein, der seinen Schützlingen am Montag frei gab.

Gewohnt nüchtern analysierte der Coach, warum Uhrmann so knapp an seinem größten Einzel-Erfolg vorbei gesprungen war. "Ein halber Punkt ist nichts, aber im ersten Versuch hat etwas gefehlt. Da hätte er mit mehr Selbstbewusstsein rangehen müssen", sagte Rohwein. Ähnlich sah es Rudi Tusch, Technischer Direktor Skisprung im Deutschen Skiverband (DSV): "Michael hat die Medaille im ersten Durchgang verschenkt." Uhrmann selbst hatte im ersten Durchgang ein gutes Gefühl, das jedoch täuschte. "Die Trainer haben einen kleinen Fehler im Absprung entdeckt. Außerdem waren die Bedingungen nicht so, dass man 103 oder 104 Meter springen konnte", sagte der 27-Jährige.

Entscheidend waren am Ende jedoch die Haltungsnoten, denn nach Weiten-Metern gerechnet lag Uhrmann sogar vor Olympiasieger Lars Bystöl aus Norwegen. "Es ist ein schwacher Trost, dass ich nachgewiesen habe, zu den besten Springern der Welt zu gehören. Ich versuche jetzt, die Sache zu verarbeiten. Mal sehen, was bei den anderen beiden Wettbewerben möglich ist", erklärte Uhrmann.

Vor allem der zweite Sprung auf 104,5 Meter sollte dem Team- Olympiasieger von 2002 für die Wettkämpfe auf der Großschanze Mut machen. "Das war wichtig für mich und gibt Selbstvertrauen. Ich bin motiviert, vorne dabei zu sein", gab sich Uhrmann kämpferisch. Der starke Auftritt von Olympia-Debütant Michael Neumayer (8.) und die ansteigende Form bei Georg Späth (12.) lassen insbesondere für den Mannschafts-Wettbewerb hoffen. "Die Jungs haben sich auch ohne Medaille gut verkauft. Das war ein tolles Team-Ergebnis", lobte DSV - Generalsekretär Thomas Pfüller.

Am Dienstag trainieren Uhrmann & Co. erstmals auf dem großen Bakken in Pragelato. Dann wird auch Martin Schmitt, der die Entscheidung am Sonntag im Fernsehen verfolgt hatte, um seine Olympia-Chance kämpfen. "Ich fühle mich gut und werde alles daran setzen, ins Team zu kommen", sagte der viermalige Weltmeister aus Furtwangen. Auch wenn der 28-Jährige in dieser Saison bislang nicht überzeugen konnte, hat Rohwein den Routinier weiter auf dem Zettel. "Martin wird seine Chance bekommen. Ich bin zuversichtlich, dass er sich im Sog der anderen steigern kann", sagte der Cheftrainer.

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