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Ullrich und Co. wollen "König Armstrong" stürzen

In Fromentine an der französischen Atlantikküste beginnt am Samstag die 92. Tour de France. Die besten Radprofis der Welt werden in diesem Jahr alles daran setzen, Seriensieger Lance Armstrong (USA) vom Thron zu stoßen.

Zum letzten Mal betritt Lance Armstrong die große Radsport-Bühne und will sich einmal mehr zum "König der Berge" krönen. Wenn am Samstag in Fromentine an der französischen Atlantikküste die 92. Tour de France (2. bis 24. Juli) gestartet wird, gilt das Motto: alle gegen einen. Die weltbesten Radprofis treten an, um dem Rekordgewinner den Nimbus der Unbesiegbarkeit zu nehmen. "Sie wollen mich vom Thron stürzen und werden mir drei Wochen lang das Leben schwer machen", ist Armstrong überzeugt.

Herausforderer unter Druck

Der Druck liegt allerdings eher bei den Harusforderern. Allen voran Jan Ullrich, der die Frankreich-Rundfahrt unbedingt zum zweiten Mal nach 1997 gewinnen will. "Dabei gleichzeitig Lance zu schlagen, würde einen Tour-Sieg natürlich zu etwas Besonderem machen", sagt der T-Mobile-Kapitän.

Viermal trafen die beiden Dauerrivalen bei der Tour seit 2000 aufeinander - jedesmal setzte sich Armstrong durch. Nur einmal vor zwei Jahren konnte Ullrich den Amerikaner ernsthaft gefährden, auch wenn er sich am Ende mit 61 Sekunden Rückstand erneut geschlagen geben musste. "2003 hat gezeigt, dass auch ein Lance Armstrong zu besiegen ist", zeigt sich der fünfmalige Tour-Zweite kampfbereit.

Ullrich mit stärkstem Team aller Zeiten

Im Unterschied zu 2003, als er nach Dopingsperre und Trennung von Telekom mit einer Mannschaft des aus der Not geborenen Bianchi-Teams antrat, hat Ullrich diesmal das vielleicht stärkste Magenta-Team aller Zeiten an seiner Seite. In Andreas Klöden (Tour-Zweiter 2004) und dem Kasachen Alexander Winokurow (Dritter 2003) stehen zwei weitere Fahrer in der Mannschaft, die bei der Tour bereits auf dem Podium standen. Zusätzliche Unterstützung in den Bergen soll Ullrich von Neuzugang Oscar Sevilla (Spanien/Siebter 2001) und Routinier Giuseppe Guerini (Italien/Etappensieger Alpe d"Huez 1999) erhalten.

Doch auch Armstrong sieht sein Team als "das wahrscheinlich stärkste, das wir je hatten". Vor allem die zu Saisonbeginn verpflichteten Paolo Savoldelli (Italien/Girosieger 2002/2 005) und Jaroslaw Popowitsch (Ukraine/Giro-Dritter 2003) sind wertvolle Verstärkungen und dürften den zum Schweizer Phonak-Rennstall gewechselten Floyd Landis (USA) und den verletzt fehlenden Zeitfahrspezialisten Wjatscheslaw Jekimow (Russland) mehr als ersetzen.

Basso sieht "Zeit für eine Wachablösung"

Doch nicht nur Ullrich will dem Kapitän des US-Postal-Nachfolgers Team Discovery Channel die Abschiedstour vermiesen. Mindestens ein halbes Dutzend weiterer Fahrer hat zum Generalangriff auf den "Boss" geblasen. Der letztjährige Dritte Ivan Basso (Italien) sieht die "Zeit für eine Wachablösung" gekommen. Und auch Spaniens Radsport-Armada mit Armstrongs früherem Edelhelfer Roberto Heras und den Podiumsanwärtern Iban Mayo, Francisco Mancebo und Carlos Sastre will zehn Jahre nach dem letzten Tour-Sieg von Miguel Indurain wieder das Gelbe Trikot auf die Iberische Halbinsel holen.

Mit Ambitionen in der Gesamtwertung, wenn auch ohne Siegchance, tritt das Team Gerolsteiner zu seiner dritten Tour de France an. In Levi Leipheimer (USA/Neunter 2004) und Georg Totschnig (Österreich/Siebter 2004) stehen zwei potentielle Top-10-Fahrer im Aufgebot des Eifel-Rennstalls. "Wir haben eine sehr starke Mannschaft am Start, die auch in den Bergen mithalten kann", ist Leipheimer überzeugt.

Sprintentscheidungen ohne Erik Zabel

Bei Sprintentscheidungen auf den Flachetappen der ersten Tour-Woche soll zudem Robert Förster (Markkleeberg) für Gerolsteiner punkten. Durch das Fehlen des viermaligen Etappengewinners Alessandro Petacchi (Italien) und des einstigen Seriensiegers Erik Zabel sind die Chancen auf einen Tageserfolg für die anderen "schnellen Männer" gestiegen. Favoriten bei Massensprints sind der Belgier Tom Boonen und der Australien Robbie Mcewen. Doch Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer traut auch Förster zu, "ganz vorne" mitzumischen: "Dass er das kann, hat er schon beim Giro gezeigt."

Bevor jedoch die Sprinter das Sagen haben, beginnt die "Große Schleife" mit einem 19 km langen Zeitfahren auf der Halbinsel Noirmoutier, das erste Aufschlüsse über die Form der Favoriten liefern wird. Nach dem Tour-Ausflug durch Deutschland auf der siebten (Karlsruhe) und achten Etappe (Pforzheim) wird es zu Beginn der zweiten Woche richtig ernst. Am 12. Juli steht auf der zehnten Etappe in Courchevel die erste Bergankunft auf dem Programm.

Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag

Die "Königsetappe" ist das 15. Teilstück, das über sechs Berge in den Pyrenäen führt. Wenn danach die Abstände noch eng genug sind, dürfte das einzige lange Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag die endgültige Entscheidung über den Gesamtsieg bringen. Nach insgesamt 3607km wird am 24. Juli in Paris feststehen, ob die letzte Jagd auf den Tour-Dominator Armstrong erfolgreich war.

© SID

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