Umstrittene Pläne: Handball-Bundesliga erfindet sich neu

Umstrittene Pläne
Handball-Bundesliga erfindet sich neu

Die Handball-Bundesliga will sich anders aufstellen. Vor allem ein Meisterschafts-Finale ist umstritten. Von Veränderungen unberührt wird auf jeden Fall die DHB-Pokal-Endrunde bleiben. Doch es gibt auch Gegenwind.
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LeipzigMeisterschafts-Finale, Supercup-Umzug, Spielplan-Revision: Die Handball-Bundesliga plant Reformen, stößt damit bei ihren Clubs aber nicht nur auf Gegenliebe. Kaum hatte der THW Kiel am Sonntag in Hamburg seinen dritten DHB-Pokal-Hattrick mit Pomp, Pyro und ein paar Pils gefeiert, rückte die Zukunft der Eliteklasse in den Fokus. „Bei allem Verständnis für die Wurzeln des Handballs glaube ich auch, dass wir uns immer ein Stückchen weit neu erfinden und mit der Zeit gehen müssen“, sagte Frank Bohmann.

Der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL war vernehmlich verschnupft darüber, dass die Ideen für die größte Reform seit Einführung der eingleisigen Bundesliga 1977 an die Öffentlichkeit gelangt waren. „Da konnte irgendwer nicht das Wasser halten“, sagte er angesäuert und mahnte zu mehr Verschwiegenheit: „Da brauchen wir mehr Professionalität in den Clubs.“

Was nach außen drang, stieß nicht nur auf Gegenliebe. Während die bereits im Spielplan der Saison 2014/2015 verankerten zwei Doppelspieltage auf keinen nennenswerten Widerspruch stießen, ist vor allem der Plan eines Meisterschafts-Finales zwischen dem Ersten und dem Zweiten der Punktrunde äußerst umstritten. „Es ist löblich, wenn über Veränderungen nachgedacht wird. Aber ich bin kein Freund von einem Meisterschafts-Endspiel, mit dem der sportliche Verlauf der Saison auf den Kopf gestellt werden kann“, sagte Marc-Hendrik Schmedt.

Der Manager des SC Magdeburg ist eher Traditionalist. „Die Bundesliga funktioniert mit 34 Spieltagen. Der Handball-Sport ist gut aufgestellt, wie er ist“, sagte er und weiß dabei auch Berlins einflussreichen Füchse-Macher Bob Hanning an seiner Seite. „Von echten Playoff-Strukturen sind wir meilenweit entfernt. Das Modell, das jetzt an die Öffentlichkeit gegangen ist, ist ja ein Playoff light“, meinte Bohmann.

Die Pläne waren auf einer Versammlung der Vereins-Vertreter erörtert worden. Neben Magdeburg fehlten dort weitere vier Clubs. „Es waren nur 13 Clubs da, von denen haben zwölf gesagt, das ist eine tolle Geschichte“, berichtete Bohmann. Auf der Mitgliederversammlung im Juli soll über die Zukunftsfähigkeit der Pläne abgestimmt werden.

Nicht auf der Tagesordnung stehen wird der Supercup. Statt wie zuletzt in München spielen am 20. August der deutsche Meister und der DHB-Pokalsieger erstmals in Bremen um den ersten Titel der Saison. „Wir waren sieben Jahre in München. Da war es an der Zeit, dass man einen Tapetenwechsel macht und diese tolle Veranstaltung woanders hinbringt“, sagte der Liga-Geschäftsführer.

Einem Plan von Kiels Trainer Alfred Gislason, den Supercup zum Ende der Bundesliga-Hinrunde als Turnier mit acht Teams nach dem Vorbild der Copa del Rey in Spanien auszuspielen, erteilte Bohmann eine Absage. „Das ist unter den gegebenen Verhältnissen undurchführbar, weil wir keine Zeit haben“, stellte er klar. Andere Vorstellungen aber werden in der HBL bereits besprochen. „Da werden wieder nicht alle mit der Zunge schnalzen. Aber daran werden wir erstmal intern arbeiten“, sagte Bohmann geheimnisvoll.

Vollkommen unberührt von allen Gedankenspielen bleibt die DHB-Pokal-Endrunde Final Four in Hamburg. Die Erfolgsveranstaltung ist für die Bundesliga sowohl Aushängeschild als auch finanziell höchst lukrativ. 1,5 Millionen Euro setzt die HBL an den beiden Spieltagen um. Vom Gewinn fließen jeweils 80 000 Euro an jeden der vier teilnehmenden Clubs. Bis 2017 finden die Halbfinals und das Endspiel noch in Hamburg statt - und eine Änderung ist außer Sicht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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