Umzingelt von den dicksten Dickschiffen der Welt
Stolz wie Störtebeker

Beim Wochenendtörn von Neustadt (Holstein) zur Insel Poel lernt der Segelgast vom Skipper, was es heißt, geschickt am Wind zu kreuzen.

Gast und Skipper sind stundenlang auf See gewesen, die zum Schluss ein bisschen kabbelig war. Nachmittags auf Poel dann, bei Kaffee und Kuchen, da traut der Gast sich was. Windstärke acht oder neun in der Vorhersage? Sei?s drum. Er, der Skipper, sei doch erfahren und was spräche dagegen, umgehend bei dem bisschen Wind wieder auszulaufen, zurück nach Neustadt? Bestimmt sei das eine interessante Erfahrung, bringe Spaß und überhaupt die Termine ...

Skipper Martin bleibt stoisch, stur und kategorisch. "Nein." Seine Entscheidung habe auch damit zu tun, sagt er, dass die Lübecker Bucht ziemlich flach sei. "Stell dir vor, wir geraten in das Tal einer zwei Meter hohen Welle und rutschen auf Grund."

Und dann erzählt er die Geschichte, wie ihm damals vor Vilm und Rügen genau dies passiert sei und wie aufwendig die Hilfsaktion gewesen sei, für die sie gottlob ein zufällig vorbeikreuzendes Motorboot heranwinken konnten, das die "Al Taj" aus der Untiefe zurückbeförderte. Die "Al Taj" ist das 9,50 Meter lange Segelboot, das Skipper Martin, einem Berliner Gastwirt, zusammen mit seinem Miteigner Uli gehört, einem Zigarettenmanager.

1980 wurde das Boot gebaut, es besteht teilweise aus glasfaserverstärktem Kunststoff, teilweise aus Mahagoni und Teak. Es ist als so genannter Langkieler mit einem Kiel ausgestattet, der bis zu drei Viertel der Schiffslänge ausmachen kann. Umgerechnet 30 000 Euro hat das Boot gekostet, das man einem schwedischen Hochschullehrer gebraucht abgekauft habe. Das Boot, technisch und seglerisch auf der Höhe, bietet in den vier Kojen sechs Leuten Platz; es ist gemütlich mit einer Pantry ausgestattet, mit Klapptischen, über denen ein Bücherschapp ist mit technischen Segelhandbüchern, aber auch mit Abenteuergeschichten von Weltumseglern.

Als Langkieler ist die "Al Taj" gut geeignet für lange und eher ruhige Törns, nicht aber für Regatten. Die sind sowieso weder Martins noch Ulis Sache. Die beiden Eigner lassen es lieber ruhiger und weniger wettbewerbsträchtig angehen. "Es ist das ewige Spiel mit dem Wind, den Segeln und dem Steuer, das mich reizt," sagt Martin. "Für Regatten und das notwendige Training habe ich sowieso keine Zeit."

Manchmal segeln die beiden Bootseigner allein oder mit ihren Familien los, manchmal lassen sie Gäste an Bord wie heute zwischen Neustadt und der Insel Poel. Das hübsche Inselchen liegt nördlich von Wismar, in der Wismarbucht.

Mit seinen kleinen Häfen Kirchdorf und Timmendorf ist es ein beliebtes Ziel für Segler, die vor Poel einigen Untiefen ausweichen müssen, aber auch Sandbanken, auf denen sich gelegentlich die Robben räkeln.

An manchen Sommerwochenenden ist der Andrang von Seglern und Motorbooten an den Anlegestellen so groß, dass die Boote im "Päckchen" vor der Mole aufgereiht werden, jeweils drei oder vier Boote. Zehn Euro Liegegebühr kostet das Ganze, nicht einberechnet sind natürlich Süßwasser und Strom sowie die Gebühr für die modernen Duschanlagen im Hafen.

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