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Unger in Wattenscheid nicht auf Rekordjagd

Fünf Wochen vor der WM in Helsinki finden in Wattenscheid die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften statt. Im Rampenlicht steht dabei einmal mehr Deutschlands Sprint-Ass Tobias Unger.

Seit der Ära Armin Hary hat es keine solche Begeisterung mehr um einen deutschen Sprinter gegeben: Tobias Unger wird als neue Lichtgestalt der Leichtathletik gefeiert. Bei seinem Abschlusstraining für die deutschen Meisterschaften, die fünf Wochen vor der WM heute und am Sonntag in Wattenscheid zum Run auf die Helsinki-Tickets werden sollen, surrten sogar die Fernsehkameras. Trainer Micky Corucle korrigiert derweil Spekulationen: "Es wird am Sonntag keinen deutschen 200-m-Rekord geben."

Top-Sprinter vom Coach "gebremst"

Der aus Rumänien stammende Sportartikel-Händler führt den 25 Jahre alten Hallen-Europameister und Olympiasiebten über 200m an der kurzen Leine: "Tobias hat alle Voraussetzungen für die WM erfüllt, er muss jetzt keine Zeiten laufen für Helsinki. Und er bekommt im 100-m-Vorlauf auch nicht die Erlaubnis, eventuelle Topbedingungen zu nutzen." Im 200-m-Finale erwartet Corucle ein großes Rennen: "Till Helmke, Sebastian Ernst und Alexander Kosenkow können gefährlich werden, wenn sie ein optimales Rennen erwischen."

Ebenso wie Unger haben neun weitere Männer und Frauen durch die Plätze eins und zwei im Europacup das WM-Ticket bereits gelöst. 30 weitere erfüllten die Helsinki-Norm in Einzeldisziplinen komplett, dazu die beiden 4x400-m-Staffeln. "Ich rechne damit, dass nach guten Einzelzeiten auch beide 4x100-m-Staffeln dazukommen und sich noch etwa ein halbes Dutzend weiterer Athleten qualifiziert", sagt Jürgen Mallow. Der Leitende Bundestrainer: "Wir wollen in Helsinki keine große Mannschaft, die würde uns vielleicht um die Ohren gehauen. Wir wollen ein erfolgreiches Team."

Diesem gehört wahrscheinlich Atlanta-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) zum Karriereende nicht an. Die 34-Jährige darf sich mit dem Rudolf-Harbig-Preis trösten, wenn sie gegen Trainingspartnerin Petra Lammert (Stuttgart/19,81m), die Olympiazweite Nadine Kleinert (Magdeburg/19,39) und Christina Schwanitz (Neckarsulm/18,84) den Kürzeren zieht.

Wurfentscheidungen versprechen Höhepunkte

Wären es am Ende 55 Athleten, stünden im Team 24 weniger als bei der historischen Olympiapleite 2004 in Athen (79/nur zweimal Silber) und neun weniger als bei der Pariser Pleiten-WM 2003 (64/1 Silber, drei Bronze). Von den damals vier Medaillengewinnern ist nur noch die Olympiazweite Steffi Nerius (Leverkusen) dabei, die als Weltranglisten-Erste (65,84m) in Wattenscheid den deutschen Rekord (66,91), aber auch das Offenburger Talent Christina Obergföll (bisher 64,49m) im Blick hat. Höhepunkte versprechen alle Wurfentscheidungen, dazu der Kampf von fünf Stabhochspringern um das letzte WM-Ticket.

Out sind Vize-Weltmeisterin Annika Becker (Erfurt), die nach ihrem schweren Trainingsunfall von Stabhoch- auf Weitsprung umstieg, sowie zwei Bronzeathleten: Geher Andreas Erm (Potsdam) und der ebenfalls verletzte Speerwerfer Boris Henry. Gleiches gilt für 400-m-Europameister Ingo Schultz (Leverkusen), die 400-m-EM-Zweite Grit Breuer (Potsdam) und 800-m-Olympiasieger Nils Schumann (Frankfurt/Main). Dabei ist Hochspringer Martin Buß (Wuppertal), auch wenn vom Ex-Weltmeister frühestens 2006 wieder Sprünge von Format zu erwarten sind.

Diskus-Trio nicht in Top-Form

Zehn haben die Norm nur einmal erfüllt, darunter das komplette Diskus-Trio mit dem fünfmaligen Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz/65,82), dem 2001-WM-Dritten Michael Möllenbeck (Wattenscheid/66,56), dem neuen 66-m-Mann Robert Harting (Berlin/66, 02) sowie 800-m-Läufer Rene Herms (Pirna/1:44,88). Denkbar ist, dass in Wattenscheid auch Athleten auf den WM-Express springen, die derzeit noch gar keine Norm besitzen. Verändern kann sich das Team noch im Juli bei den Meetings in Leverkusen (23.) und Schönebeck (29./Werfer) sowie der U23-EM in Erfurt (14.-17.).

© SID

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