United Internet Team Germany
Der Cup der guten Hoffnung

Erstmals in der Geschichte des 156 Jahre alten America’s Cup segelt eine deutsche Crew mit im Kampf um die begehrteste Trophäe des Sports.

DÜSSELDORF. Ein Boot ist nicht einfach ein Boot, Segeln nicht einfach Segeln, ein Sieger nicht einfach ein Sieger. Der America´s Cup ist nicht irgendeine Segel-Regatta. Die Veranstaltung ist die älteste und teuerste Segel-Regatta der Welt. Selbst ein Verlierer ist nicht einfach ein Verlierer – sondern mindestens ein Philosoph. Sir Thomas Lipton etwa, der irische Tee-Mogul, war derart von der Segelregatta angetan, dass er zwischen 1899 und 1930 ein Vermögen in seine fünf Teilnahmen steckte. Zwar erntete er viel Lob für seine schönen Yachten, gewonnen aber hat er die Wettfahrt nie. Als größter Verlierer ging er in die Annalen des Cups ein. Gereicht hat es immerhin zu einem Satz, der es unter den Cup-Seglern immerhin zum Klassiker gebracht hat: „Verzweifle nie, treibe dich an!“ (Never dispair, keep pushing on).

Erstmals in der Geschichte dieser über 156 Jahre alten Regatta segelt jetzt ein deutsches Team mit - zumindest in den beiden Qualifikationsrunden. Ab Mitte April werden 28 Segler des „United Internet Team Germany“ alles geben, um bei ihrer Jungfernfahrt so erfolgreich wie möglich zu sein. Eine Chance, im Finale Cup-Verteidiger Alinghi herausfordern zu dürfen, haben sie kaum. Am 8. Mai - nach der Vorrunde – werden die Deutschen wohl nach Hause fahren müssen, aber bis dahin sind sie gut beraten, sich an Liptons Worte zu erinnern. Krisenerprobt dürften die Deutschen längst sein, seit sie vor zwei Jahren begonnen haben. Nach diversen Rückschlägen hat die Crew ihre sportlichen Ziele nach unten angepasst. Lange Zeit hatte vor allem der dänische Steuermann, Jesper Bank, das Halbfinale als Ziel ausgegeben, nun wären sie mit einem bescheidenen achten oder neunten Platz zufrieden. Bei der Messe „Boot“ in Düsseldorf hatte Jesper Bank mit seinen Kollegen einen Stand – er, Teamchef Michael Scheeren und der technische Direktor Eberhard Magg wirkten entspannt, befreit von einem Druck, den sie sich unnötigerweise selbst auferlegt hatten. Denn eigentlich hatten sie von Anfang an nichts zu verlieren.

Trotz wiederholter Querelen sind sie beim Rennen vor Valencia dabei. Mit guten Seglern, genügend Geld und einem neuen Boot. Das ist schon ein großer Erfolg, keine Frage. Schließlich bedurfte es seit den Achtzigern fünf Anläufe, um überhaupt so weit zu kommen. Und das, obwohl die Deutschen zu den erfolgreichsten Seglern der Welt zählen, weltweit gefragtes Design- und Bootsbau-Know-how aus Deutschland kommt und es finanzstarke Sponsoren gibt. Große deutsche Unternehmen scheuten allerdings lange das Risiko, einen deutschen Newcomer aufzubauen und setzten daher vor allem bei den vergangenen zwei Cups auf erfahrenere Teams aus Neuseeland und den USA. Einen Durchmarsch, wie ihn das Schweizer Alinghi Team im Jahr 2002/2003 mit einem Titelgewinn im ersten Anlauf vorgemacht hat, erwartete niemand von den Deutschen.

Vor dem Cup ist nach dem Cup

Die Deutschen sind dennoch auf einem guten Weg, der trotz des scheinbar sicheren Ausscheidens im 32. Cup im Hafenbecken von Valencia nicht enden wird. „Das ist eine große Chance für Segel-Deutschland“, sagt Jochen Schümann von Alinghi. „Erst nach dem Cup werden Designer und Bootsbauer sehen, welchen Boom unser Dabeisein auslöst“, sagt Magg. „Wir würden all das wegschmeißen, wenn wir nicht weitermachen würden.“

Vor dem Cup ist also nach dem Cup. Magg arbeitet jetzt schon an den Plänen für die kommende Kampagne. Der umtriebige Schwabe ist für viele das Herz des Teams. Er hat hart dafür gearbeitet, dass der deutsche America´s Traum Wirklichkeit wird. Ebenso wie viele seiner Kollegen im Design, an Bord oder im Management. In einer sechsteiligen Serie wird das Handelsblatt deshalb die Schlüsselfiguren, Macher und Entscheider des deutschen Teams vorstellen. Wie etwa die Segel-Legende Willy Kuhweide, den Kommodore des Deutschen Yacht Challenger Clubs. Kuhweide hat das Segeln in Deutschland wie kaum ein Zweiter geprägt. Sein Portrait erscheint in der kommenden Woche als erste Folge der Serie. Sport, so weiß auch der gebürtige Berliner, orientiert sich an der machbaren Herausforderung. Niemand tritt aber an, um zu verlieren. Das deutsche Team wird deshalb nicht an seiner Platzierung, sondern an seinem Kampfgeist im aussichtslosem Rennen gegen die Giganten der Zunft gemessen. Und vielleicht wäre es gut, sich deshalb nicht nur an die Worte eines Verlierers wie Lipton, sondern auch an die des immer währenden Außenseiters zu erinnern. Der, Rocky Balboa, sagte nämlich: „Es ist erst zu Ende, wenn es zu Ende ist.“

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