Unternehmen entdecken die Kieler Woche als Werbeplattform
Der Kunde ist Skipper-König

Hochrangige Regatten stehen für Attribute wie Innovation, High Tech, Qualität und Taktik. Das haben mittlerweile auch die großen Unternehmen gemerkt. Auf der Kieler Woche, dem weltgrößte Segelevent, nutzen die Global Player das attraktive Segel-Image und hätscheln gleichzeitig ihre Kunden.

KIEL. Es ist acht Uhr morgens und trotzdem quillt die 350 Quadratmeter große VIP-Lounge des BMW Bootshafens fast über. Die Gäste wollen Kieler-Woche-Luft schnuppern, hautnah: Während die eine Gruppe zum Testen neuer BMW-Modelle auf dem Gelände des Kieler Flughafens aufbricht, fährt die andere zum Match Racen auf der Kieler Förde. Dort hat das Autounternehmen zwei America?s Cup Boote stationiert, die die Kunden gegeneinander segeln dürfen - beinahe so, als würde zum Autotest ein Dienstwagen von Nick Heidfeld parat stehen.

Wer keinen Platz auf einem der beiden Boote hat, verfolgt das Rennen an Bord einer Motoryacht, inklusive Moderation und Getränkeservice. Mittags werden die Sieger mit Champagner gefeiert. Um 14 Uhr starten zwei weitere Gruppen zum gleichen Programm. 500 bis 600 Leute jeden Tag. "Wir wollen Erlebnisse schaffen", sagt Alexander Schwenck, Leiter der Abteilung BMW Yachtsport. Segeln ist sexy geworden, das merken auch viele Unternehmen.

Die Bayerischen Motorenwerke fungieren seit 2003 als Hauptsponsor und seit 2004 als offizieller "Presenter" der Kieler Woche. Mit dem Bootshafen will man den rund 500 000 Gästen und den 5 000 geladenen Kunden ordentlich was bieten.

Einst begann die Kieler Woche als Wettfahrt zwischen Marineoffizieren und Kaufleuten auf 20 Yachten, schnell segelten Kaiser, Könige und Industrielle mit. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Segelveranstaltung zu einem Fest des Friedens und der Völkerverständigung werden, mit politischen Diskussionen, Kunst, Kultur. Heute ist sie das größte Segelsportereignis der Welt. Und seit 2003 ein Hauptsponsor eingeführt wurde, ist sie Marktplatz und Schaubühne für die Partner und Unternehmen. Und auch ein willkommener Spielplatz für Firmen, die Kunden dorthin einladen und auf pfeilschnellen Volvo Ocean Racern und America?s Cuppern oder etwas behäbigeren Windjammern einen exklusiven Blick auf die größte Segelveranstaltung der Welt bieten wollen.

Längst haben große deutsche Unternehmen die Welt des Yachtings als Werbeplattform entdeckt, besonders die hochrangigen Regatten stehen für Attribute wie Innovation, High Tech, Qualität und Taktik. Bei der Kieler Woche treffen sich die Besten der Branche, und so steht das Datum in jedem Marketingkalender. In den nationalen Führungsetagen erhält die neuntägige Veranstaltung derzeit gute Noten: Sie ist mit Abstand die bekannteste und interessanteste dieser Art und rangiert sogar noch vor internationalen Top-Events wie dem America's Cup. Die Antworten lieferten 209 Entscheider der IT- und Telekommunikationsbranche - eine Studie im Auftrag der Telekom-Tochter T-Systems, die seit ein paar Jahren ihr Interesse am Yachtsport entdeckt hat.

Bei BMW bildet Segeln nach Formel 1 und Golf die dritte Säule der Sportmarketingstrategie. Um den Kieler Bootshafen wird daher in diesen Tagen alles aufgefahren, was das Engagement erlebbar macht. Neben Filmen und Vorträgen gibt es Segelunterricht und Grinder-Wettbewerbe, bei denen die Kandidaten Segelhissen simulieren.

Der BMW Sailing Cup, der seit 2006 von Amateuren und Profis auf einheitlichen Bénéteau-Yachten bestritten wird, präsentiert sich mit einer eigenen Base, eine der Rennserien läuft live während der KiWo. Und neben den Matchraces auf den America's-Cup-Yachten ist auch das Crewmitglied Tony Kolb angereist und soll BMW-Oracle in die Herzen der Zuschauer einbrennen. Eine heikle Aufgabe, denn das erfolgsverwöhnte und hoch dotierte US-Syndikat musste im Halbfinale des Louis Vuitton Cups, dem Vorentscheidungsrennen, den Italienern den Vortritt lassen.

Die Kieler Woche reizt noch eine andere Branche zum Schaulauf. Seit 2004 sitzt die HSH Nordbank als "Sport- und Kulturpartner" mit im Boot. Der größte Schiffsfinanzierer der Welt unterhält das Publikum musikalisch auf dem Rathausplatz und sportlich draußen in Schilksee, wo man auch einen schwimmenden Reparaturservice anbietet.

Vor dem Hintergrund der großen Regattafelder gibt es im Olympiahafen zudem Modellboot-Wettrennen, währenddessen flimmert das Transatlantikrennen HSH Blue Race, das zeitgleich mit der Kieler Woche stattfindet, live über die Leinwände. Wie im vergangenen Jahr geht auch der "Sternenzauber über Kiel", das publikumswirksame Abschlussfeuerwerk am Sonntagabend, auf das Konto der Bank. Der große Knall kommt eben immer zum Schluss.

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