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Unwetter stoppt Diskus-Medaillenhoffnung Dietzsch

Ein Unwetter hat bei der Leichtathletik-WM in Helsinki das Programm kräftig durcheinandergewirbelt. Auch der Angriff von Franka Dietzsch auf eine Diskus-Medaille fiel dem schlechten Wetter zum Opfer.

Sintflutartige Regenfälle haben am Dienstag des Programm der Leichtathletik-WM in Helsinki durcheinandergewirbelt und dabei auch den Angriff von Franka Dietzsch auf eine Diskus-Medaille gestoppt. Nach fast zweistündiger Unterbrechung gewann Saif Saaeed Shaheen über 3000m Hindernis sein zweites WM-Gold für Qatar, der erst 20-Jährige Bershawn Jackson feierte nach dem verletzungsbedingten Aus von Olympiasieger Felix Sanchez (Dominikanische Republik) in 47,31 Sekunden über 400m Hürden den vierten Sieg für die USA und die Zulia Calatayud gewann in 1:58,82 Minuten 800-m-Gold für Kuba.

Doch fast zwei Stunden lang war das Unwetter mit Blitz, Donner und beinahe sintflugartigen Regenfällen das beherrschende Thema. Franka Dietsch meinte nach der Verlegung: "Einerseits bin ich total traurig darüber, denn man merkt ja, was man gerade drauf hat. Andererseits bin ich glücklich über die Verlegung. Es wäre ein Lotteriespiel geworden." Die Weltmeisterin von Sevilla 1999 reagierte auch ansonsten professionell: Noch während des Unwetters war sie schon wieder im Krafttraining.

Auch zwei andere Wettbewerbe verschoben

Neben dem Diskuswerfen wurden auch zwei andere Wettbewerbe verschoben, jeweils auf Mittwoch und jeweils mit deutscher Beteiligung. Tobias Unger (Kornwestheim), der sich im Vorlauf spielerisch leicht in 20,45 Sekunden durchsetzte, muss nun am Mittwoch eine Doppelschicht mit Zwischenlauf und - bei Erfolg - Halbfinale einlegen. Gleiches gilt für den Schalker Sebastian Ernst, der in der gleichen Zeit Vorlaufdritter geworden war. Am Mittwoch muss auch der frühere Leverkusener Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek die Qualifikation für das Finale nachholen.

Vor dem Unwetter ereilte das Aus vier Deutsche in der ersten Runde, die an den drei Tagen zuvor zehn Teamkameraden problemlos gemeistert hatten. "Alles kein Rückschlag fürs Team. Irgendwann musste der erste Ausfall kommen und wir hatten heute zehn Athleten am Start", kommentierte Cheftrainer Jürgen Mallow das Scheitern des Leverkusener EM-Zweiten Lars Börgeling im Stabhochsprung (Anfangshöhe 5,45m gerissen) und dreier deutscher Meister. Erst schied Speerwerfer Christian Nicolay mit schwachen 76,68m aus, dann der Saarbrücker 400-m-Läufer Simon Kirch in 47,45 Sekunden und am Ende Weitspringerin Bianca Kappler (Rehlingen) mit ebenfalls enttäuschenden 6,35m.

Kirch nimmt kein Blatt vor den Mund

"Das war Scheiße im Quadrat. Ich habe versagt", sprach Kirch Klartext. Auch Nicolay nahm nach der windgeschädigten Qualifikation kein Blatt vor den Mund: "Ich war technisch grottenschlecht." Börgeling hatte das Pech, nach demoliertem Sprungständer über eine Stunde auf den dritten Versuch warten zu müssen. "Vielleicht hätte ich lieber zu Hause bleiben sollen", meinte er mit Blick auf seinen schwachen WM-Test, der entgegen mancher Forderung nicht zum Ausschluss aus dem Helsinki-Team geführt hatte. "Bianca Kappler hat einfach einen schlechten Wettkampf gemacht", urteilte Mallow.

Sechs andere Deutsche inklusive Unger und Ernst überstanden die erste Runde. Als Vorlaufzweite in 12,68 Sekunden kam die Mannheimer Weltranglistenfünfte Kirsten Bolm nach der Unterbrechung souverän ins Halbfinale am Mittwoch. Mit dem Speer zog Europacupsieger Mark Frank (Rostock/77,87m) als Vorletzter in den Vorkampf der besten Zwölf am Mittwoch ein. Mit dem Stab meisterte Tim Lobinger (Köln) 5,60m, und dem Olympiafünften Danny Ecker (Leverkusen) reichten nach Reparatur des Ständers wie Italiens Titelverteidiger Giuseppe Gibilisco und anderen Medaillenkandidaten sogar 5,45m zum Vorstoß in den Finalvorkampf am Donnerstag. Dagegen schied Mitfavorit Toby Stevenson (USA) ohne Höhe aus.

Clay führt im Zehnkampf

Im Zehnkampf führt der Olympiazweite Bryan Clay nach dem ersten Tag mit 4 527 Punkten vor Tschechiens Weltrekordler Roman Sebrle. Der Amerikaner hat allerdings nur 14 Zähler Vorsprung gegenüber dem Olympiasieger (4 513), der sich bei den Sommerspielen 2004 in Athen noch Clays Angriff hatte erwehren können. Dahinter folgte nach dem Aus des Olympiadritten Dmitri Karpow aus Kasachstan, der wegen zweier Fehlstarts bereits im 100-m-Lauf disqualifiziert worden war, der Este Kristijan Rahnu mit 4 404 Punkten. Andre Niklaus lag bei Halbzeit mit 4 130 Zählern auf dem zwölften Rang. Der Berliner erzielte 11,04 über 100m, schwachen 7,20 m im Weitsprung, 14,24m mit der Kugel, 2,03m im Hochsprung und 49,42 über 400m.

Schwabenpfeil Tobias Unger meinte nach seinem Vorlauf: "Keiner soll glauben, dass ich schon im Endlauf stehe. Hier ist alles am Start, was Rang und Namen hat." Dies münzte der 25 Jahre alte deutsche Rekordler vor allem auf die schnellen Amerikaner. Tyson Gay glänzte im Vorlauf in 19,99, dagegen schonten sich 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin in 20,90 und der Jahres-Weltbeste Wallace Spearmon (alle USA) in 20,51 Sekunden.

© SID

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