Urteile
Wenn Segler vor Gericht ziehen

Manche Skipperidylle erweist sich als Schlag ins Wasser. Freizeit-Kapitäne und Bootsvermieter finden sich dann meistens vor Gericht wieder.

Kahle Masten

HB HANNOVER. Ein segelbegeisterter Niedersachse buchte einen einwöchigen Törn entlang der türkischen Riviera. Kurz nach dem Start ereilte ihn der Schock: Statt die Segel zu hissen, schipperte die Mannschaft lieber mit Motorkraft durch die Ägäis. Trotz seines Protestes blieben die Masten bei guten Windbedingungen die meiste Zeit nackt. Mangelhaft, urteilten wenig später die Richter in Hannover. Um 70 Prozent durfte der enttäuschte Kunde den Reisepreis reduzieren (Landgericht Hannover, 12 S 55/98).

Undicht

HB DÜSSELDORF. Ebenfalls in die Türkei hatte es eine Segeltruppe aus dem Rheinland verschlagen. Sie wollten von Bodrum aus bis in die Biskaya. Doch ihre Yacht machte vor der Küste des Baskenlandes schlapp: Unweit von San Sebastian drang bei einem Unwetter Atlantikwasser durch die undichten Luken in die Kojen. Der Besitzer des Schön-Wetter-Kahns wollte die Mietgebühr nicht rausrücken. Die Mieter hätten das Schiff vor dem Ablegen selber inspiziert. Vor Gericht verfing diese Logik nicht. Da der Bootseigentümer die Segelroute gekannt habe, hätte er sein nicht hochseetaugliches Gefährt hierfür nicht vermieten dürfen. Die Segler erhielten ihr Geld zurück (Oberlandesgericht Düsseldorf, 18 U 76/94).

Auf dem Trockenen

HB MÜNCHEN. Ein Ferienkapitän aus Oberbayern mietete für seine Familie einen Kabinenkreuzer vor der kroatischen Mittelmeerküste. Nach der Ankunft entdeckte er, dass die Süßwasserpumpe an Bord nicht funktionierte. Der Vermieter tauschte einen Tag später die Pumpe aus. Statt aus fünf Hähnen sprudelte das Wasser mit der neuen Pumpe aber nur aus zwei. Das war dem Mieter zu wenig, er reiste ab und verlangte die Chartergebühr zurück. Das Gericht sprach ihm lediglich die Ausgaben für den ersten Urlaubstag zu. Den Rest musste er zahlen. Auch mit zwei funktionierenden Wasseranschlüssen hätte er einen schönen Schiffsurlaub verbringen können, so die Richter (Oberlandesgericht München, 21 U 4765/84).

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