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USA räumen in Helsinki ab, Unger und Bolm stark

Während das US-Team bei der Leichtathletik-WM in Helsinki kräftig abräumte, setzen auch die deutschen Athleten ihre Ausrufezeichen: "Schwabenpfeil" Tobias Unger und Hürdensprinterin Kirsten Bolm zogen ins Finale ein.

Der neuen "König der Athleten" heißt Bryan Clay kommt aus den USA und hatte im Duell mit Tschechiens Weltrekordler Roman Sebrle die Nase vorn, während der Berliner Andre Niklaus im Zehnkampf der Giganten fast sensationell auf Rang vier landete. Am nasskalten fünften Tag der Leichtathletik-WM von Helsinki flogen "Schwabenpfeil" Tobias Unger (200m) und Kirsten Bolm (100m Hürden) zielsicher ins Finale, dagegen setzte Ex-Weltmeister Charles Friedek seine Pleitenserie im Dreisprung fort.

Das sechste USA-Gold gewann überraschend Tianna Madison im Weitsprung, über 400m triumphierte Tonique Williams-Darling (Bahamas), über 1500m holte Sieger Rashid Ramzi die erste WM-Medaille für den Wüstenstaat Bahrain und im Speerwurf gab es statt des von 30 000 Zuschauern erhofften vierten WM-Goldes seit 1987 keine Medaille für Finnland. Überraschend siegte der Este Andrus Värnik. Achter wurde der Rostocker Europacupsieger Mark Frank mit 77,56m. Regen, starker Wind und Temperaturen um 13 Grad veranlassten die Organisation zur Verlegung des Stabhochsprung-Finals auf Freitag, um Russlands 5-m-Springerin Jelena Isinbajewa eine größere Chance auf den 18. Weltrekord ihrer Karriere zu geben.

Tobias Unger überzeugt im Halbfinale

Tobias Unger erzielte im 200-m-Halbfinale in 20,63 Sekunden die sechstbeste Zeit. "Ich träume nicht von einer Medaille. Aber ich werde im Finale um jeden Platz kämpfen", meinte der 26 Jahre alte Kornwestheimer, der den deutschen Rekord bei wesentlich besseren Bedingungen auf 20,20 Sekunden gesteigert hatte. Unger wurde Halbfinal-Dritter hinter Titelverteidiger John Capel (20,45) und dem Jahres-Weltbesten Wallace Spearmon (20,49). Im zweiten Lauf siegte Tyson Gay (20,27/Vorlauf 19,99) vor 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin (alle USA/20,49). Unger: "Ich lag nur 14 Hundertstelsekunden hinter dem Weltjahresbesten. Im Finale kann ich noch zulegen."

Hürdensprinterin Kirsten Bolm im Finale

Die Mannheimer Hürdensprinterin Kirsten Bolm zog in 12,86 Sekunden bei strömendem Regen und 3,3m Gegenwind als Zweite ins Finale ein und meinte: "Ich wusste, ich durfte nicht Dritte werden und hatte mächtig Bammel." Die Finalteilnahme schaffte im Hammerwerfen nur Rekordlerin Susanne Keil (Leverkusen) mit 67,82m. Den Sprung ins Halbfinale vollzogen Hürdensprinter Thomas Blaschek (Leipzig) als Vorlaufsieger in 13,86 Sekunden bei 5,1m Gegenwind ("Ich dachte, die Welt geht unter") und Claudia Marx (Erfurt) in 56,60 über 400m Hürden.

Von acht Deutschen blieben erneut vier auf der Strecke und erhöhten die Ausfallquote des Teams in Runde eins auf acht. Im 200-m-Zwischenlauf scheiterte der Schalker Sebastian Ernst bei 3,7m Gegenwind in 21,54 Sekunden, in der Hammerwurf-Qualifikation scheiterten die Olympiavierte Betty Heidler mit schwachen 61,91 und Kathrin Klaas (beide LG Frankfurt) mit drei Fehlversuchen.

Friedek: "Ich habe es mal wieder verbockt"

Und für Charles Friedek endete das Unternehmen Helsinki mit indiskutablen 15,75 m sowie einer Verletzung. "Ich habe es mal wieder verbockt. Aber 2006 bin ich wieder dabei", meinte der 33 Jahre alte Leverkusener, der beim letzten Versuch einen Riss des Innenbandes am linken Knöchel erlitt. DLV-Chefarzt Dr. Uwe Wegner: "Damit hätte er unmöglich im Finale springen können."

Im Zehnkampf "joggte" der Olympiazweite Bryan Clay nach Glanzleistungen mit Diskus (53,68m) und Speer (72,00) sowie 346 Punkten Vorsprung vor dem 1 500-m-Lauf regelrecht zum Gold, denn die Punktzahl (8 732) war ihm zweitrangig. Mit 8 521 Zählern verfehlte Olympiasieger Sebrle auch beim 5. WM-Start den ersten Titel, Bronze gab es für den Ungarn Attila Zsivoczky (8 385). Andre Niklaus erklärte nach sechs persönlichen Bestleistungen inklusive seiner 8 316 Punkte: "Der vierte Platz ist der absolute Hammer."

Williams-Darling wie bei Olympia in Athen

Im 400-m-Lauf siegte Williams-Darling wie bei Olympia in Athen, und Sanya Richards (USA) verwies Mexikos Titelverteidigerin Ana Guevara auf Rang drei. Im Weitsprung holte Tianna Madison im schwächsten WM-Weitsprung aller Zeiten mit 6,89m überraschend das sechste Gold für die USA und machte die Russin Tatjana Kotowa (6,79) zum dritten Mal in Folge zur Vize-Weltmeisterin vor der französischen Siebenkampf-Zweiten Eunice Barber (6,76).

Im Speerwurf wurde Finnlands Weltranglisten-Spitzenreiter Tero Pitkämäki (91,53) nur Vierter und Ex-Weltmeister Aki Parviainen Neunter beim Sieg des Esten Andrus Värnik (87,17), der das erste WM-Gold für sein Land vor Norwegens Olympiasieger Andreas Thorkildsen (86,18) und Russlands Titelverteidiger Sergej Makarow (83,54) gewann.

Im 1 500-m-Lauf wurde Rashid Ramzi Nachfolger seines früheren marokkanischen Landsmannes Hicham El Guerrouj (Marokko), der nach vier WM-Titeln auf dieser Distanz in Serie nach Virus und Motivationsproblemen fehlte.

© SID

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