Verbaler Schlagabtausch der beiden großen Rivalen
Mikrofonduell zwischen Armstrong und Ullrich

Wie zwei Schwergewichtsboxer vor einem Kampf in Las Vegas ließen Lance Armstrong und Jan Ullrich bei der Pressekonferenz die Muskeln spielen. Der T-Mobile Kapitän erklärte den sechsmaligen Toursieger offiziell zum „Gejagten“. Der Texaner gab sich indessen überzeugt, dass Ullrich die Rundfahrt gewinnen wird. Im nächsten Jahr.

HB FROMENTINE. Das erste Duell fand 48 Stunden vor dem Start der 92. Tour de France in der schmucklosen Ausstellungshalle der westfranzösischen Kleinstadt Challans statt: Lance Armstrong contra Jan Ullrich, ohne Fahrrad. Der Herausforderer aus dem T-Mobile-Team beschränkte sich in eher knappen Worten auf das Sportliche. Der Titelverteidiger aus Texas, super cool und eloquent wie immer, schweifte ab, sprach vor seiner letzten Tour über seine Gefühle zum Abschied und beruhigte die Besorgten, die von Armstrongs politischen Ambitionen gehört hatten: "Ich träume nach dem Ende meiner Karriere nicht vom Weißen Haus." Er zögerte nicht bei der Prognose, wer die erste Tour nach seinem Rücktritt gewinnt: "Jan Ullrich".

Der T-Mobile-Kapitän, wie immer vor der Tour mit einem frischen Kurzhaarschnitt versehen, sprach lieber von diesem Jahr und schob die Last auf seinen alten Rivalen, dem er vier Mal unterlag: "Lance ist der Tour-Favorit und der Gejagte." Nach den Worten seines Betreuers Rudy Pevenage habe Ullrich nach dem Ende der Tour de Suisse wie geplant noch etwas Gewicht verloren, um bei den Kletterpartien auf der Höhe zu sein. Ullrichs Abnehm-Formel laut Pevenage: Mehr trainieren und weniger essen.

Beide Topfavoriten präsentierten sich am Donnerstag in sichtbar guter Verfassung. "Letztes Jahr war ich vor dem Start nervöser. Ich jage keinen Rekord oder die Geschichte. Ich will für meinen Sponsor gewinnen und für meine Kinder, denen ich in Paris das Gelbe Trikot präsentieren will. Das ist eine große Motivation für mich", sagte der sechsfache Sieger Armstrong, der bei seinem Exkurs vor Hunderten von Pressevertretern nur einmal leicht ins Schlingern geriet: Als er auf den mit Doping in Verbindung gebrachten italienischen Mediziner Michele Ferrari, der in einem Prozess wegen Verjährung nicht mit einer Gefängnisstrafe belegt worden war, angesprochen wurde.

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