Vergabe von Olympischen Spiele
Höher, schneller, heuchlerischer

Am Mittwoch entscheidet sich, welche Stadt die Winterspiele 2018 ausrichtet. Im Poker um das Milliardengeschäft Olympische Spiele blüht mit dem sportlichen Ehrgeiz aber vor allem eines auf: der Betrug.
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Wie vergleichsweise einfach war es doch früher, Olympische Spiele zu bekommen. Am 25. April 1966 reichte dem deutschen Bewerber in Rom ein guter Draht von Willi Daume zum IOC-Präsidenten Avery Brundage, eine kleine Ausstellung im „Foro Italico“ und Ansprachen des deutschen NOK-Präsidenten und des Oberbürgermeisters Hans Jochen Vogel von zusammen neun Minuten - und München hatte das Wahlfinale des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) um die Spiele 1972 mit 31:16 Stimmen gegen Madrid gewonnen - gegen einen Konkurrenten, der seine Kandidatur erst vier Tage zuvor zu bestätigen vermochte.

45 Jahre später, wenn München am 6. Juli in Durban seinen zweiten olympischen Anlauf vollenden will, ist vieles anders: Olympische Spiele sind begehrt wie nie. Sie dienen den Staaten zur Selbstdarstellung, Städte nutzen sie für riesige Investitionsprogramme, Fernsehen und Sponsoren machen aus ihnen ein globales Geschäft. Und das IOC erzielt Umsätze im Vier-Jahres-Rhythmus von mittlerweile mehr als sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro). Alle wollen Einfluss nehmen und irgendwie verdienen. Einen Ausdruck hat der Run auf die Spiele dadurch gefunden, dass seit 1986 bei letzten Präsentationen vor dem IOC nun regelmäßig auch Könige, Staatsoberhäupter und Regierungschefs aufmarschieren.

Die Spiele 1984 mit dem alleinigen Bewerber Los Angeles bezeichnen einen Tiefpunkt, die Spiele 1992 eine Zäsur. 13 Städte bewarben sich 1986 um die Sommer- und Winterspiele, ein internes IOC-Papier summierte die gesamten Bewerbungskosten auf mehr als 150 Millionen Dollar. Es siegte Barcelona mit Regierungschef Felipe Gonzales gegen Paris mit Jacques Chirac, und weil die Olympier den pompös aufgetretenen französischen Regierungschef nicht mit leeren Händen entlassen wollten, beschenkten sie ihn mit Albertville, den eigentlich ungeeignetsten Ort für Winterspiele 1992.

Mitgesiegt hatte, wie schon bei der Präsidentenwahl 1980, Horst Dassler. Damals verhalf der Adidas-Chef dem Spanier Juan Antonio Samaranch zur Präsidentschaft. Nun wirkte er mit am Sieg der Heimatstadt des Katalanen. Der zeigte sich seinerseits erkenntlich und übertrug Dasslers Agentur ISL die Vermarktung olympischer Sponsorenrechte. Über den „heimlichen Herrscher des Weltsports“ schrieben spanische Medien damals, er habe im IOC Einfluss auf bis zu 30 Stimmen.

Dassler hat dazu einmal gesagt: „Es kann mir als Unternehmer nicht gleichgültig sein, wo unsere Produkte ausgestellt werden und unter welchen Umständen.“ Dieses Credo gilt seitdem - mehr oder weniger - für alle Olympia-Sponsoren.

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