Verlauf der Titelendrunde scheint so unvorhersehbar wie lange nicht
Ein großer und viele kleine Favoriten

Viel spricht in den Eishockey-Play-offs für die Frankfurt Lions, doch die Konkurrenz ist nicht chancenlos.

BERLIN. Meister? "Nein", sagt Rich Chernomaz, der Trainer der Frankfurt Lions. "Für mich sind die Eisbären der Topfavorit." Die Berliner hätten mit Olaf Kölzig schließlich einen Weltklassetorhüter und seien auf hohem Niveau ausgeglichen besetzt. Und überhaupt: Sein Team müsse erst mal das Viertelfinale überstehe. Da spielt der Deutsche Meister heute zum Auftakt der Play-offs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in seiner "Best-of-seven"-Serie gegen die Hamburg Freezers (19.30 Uhr, live auf Premiere). Die Hamburger haben mit Mühe die Endrunde erreicht. Trotzdem werde es eng, behauptet Chernomaz: "Die haben uns in dieser Saison zweimal besiegt."

Psychologisches Geplänkel ist eine Stärke des Kanadiers. Vor einem Jahr hat Chernomaz trotz 2:1-Führung in der Finalserie den Gegner Eisbären als unüberwindbares Hindernis dargestellt. Ein Spiel später feierte Frankfurt den Titel. Und an sich gibt es nichts, was gegen die Titelverteidigung spricht: Die Lions haben in den Play-offs der Vorsaison kein Heimspiel verloren. Diesmal starten die Hessen als Erster, also mit dem Heimvorteil in die Endrunde. Zudem haben sie mit Patrick Lebeau den erfolgreichsten Scorer der Hauptrunde (94 Punkte). Statistische Konkurrenz droht dem Stürmer nun vor allem im eigenen Team. Der kürzlich aus der NHL verpflichtete Amerikaner Doug Weight war bei sieben Einsätzen für die Lions an fast jedem Tor beteiligt. In der Abwehr hatten die Hessen zudem mit Stephane Robidas den zuverlässigsten Verteidiger der Hauptrunde.

Was also spricht gegen die Lions? Dass alles für sie spricht. Und dass die Aussagen von Chernomaz durchschaubar sind, wie Peter John Lee findet. "Der redet andere stark, um seiner Mannschaft den Druck zu nehmen", sagt der Berliner Manager. Die Eisbären, die gegen Augsburg spielen, sind die Favoritenrolle los, die ihn in den vergangenen Jahren eine Last war. Auch der ERC Ingolstadt, der mit mehr NHL-Spielern antritt als alle anderen, kann vorne dabei sein. Aber auch Ingolstadts erster Gegner Köln, Mannheim und Nürnberg erscheinen nicht chancenlos - lediglich beim Setzen auf Hamburg und Augsburg gibt es bei den Buchmachern attraktive Quoten.

Der Verlauf der Play-offs ist diesmal so unvorhersehbar wie selten. Das liegt auch daran, dass erst kürzlich geholte NHL-Stars ihre neuen Teams unberechenbarer machen. Möglich also, dass nach dem letzten Endspiel im April nicht in Frankfurt sondern andernorts gefeiert wird. Vielleicht hat Rich Chernomaz dann sogar Recht. Obwohl er sich kaum darüber freuen dürfte.

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